Franziskaner Mission 1 | 2013 —
 Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben
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ansteckender Begeisterung und großer
Sensibilität für die Menschen machte
sie sich an ihren pastoralen Auftrag,
Entwicklungsarbeit »von unten« zu leis-
ten: dazu gehören Gesundheitsdienst,
Kindergärten, Schule, Ausbildung der
Kinder, Probleme der Frauen, sauberes
Trinkwasser, Gemüseanbau und fami­
liärer Häuserbau.
Bei allen Bemühungen folgte sie –
ganz im Geist der Basisgemeinden
– dem Grundsatz, mit den Menschen
gemeinsam selbst erkannte Lösungen
zu suchen und dann gemeinschaftlich
zu verwirklichen. Die soziale ­Basisarbeit
erfordert auch bürgerschaftliches, poli­
tisches Wirken: Brunhilde Henneberger
informiert die Menschen über ihre
Rechte und Möglichkeiten, unterstützt
sie beim Kampf mit Behörden, gegen
Unrecht und Korruption und tritt
entschlossen ein für die Rechte der
Menschen und für die Erhaltung ihres
Lebensraums. Das bringt ihr immer
wieder auch Drohungen und Gefängnis
ein.
Seit über 50 Jahren wirkt Brunhilde
Henneberger in Brasilien. Als sie in
Augsburg Lehramt studierte, war sie
1961 bei den Franziskanerinnen von
Maria Stern eingetreten und gleich
nach Brasilien gegangen. Dort beendete
sie in Recife ihre Ausbildung, arbeitete
als Lehrerin und studierte noch Sozial-
pädagogik und Soziologie. »Aber die
Riesenstadt war nichts für mich«, sagt
sie heute. 1970 entschied sie sich für
Juruti, ein abgelegenes Städtchen am
Amazonas, in der Diözese Óbidos im
Bundesstaat Pará. Mit Engagement,
Nahe bei den Menschen
Zerstörung des Urwalds
1991 zieht die Franziskanerin fluss­
aufwärts, »tiefer in den Urwald ­hinein«,
nach Juruti Velho (Alt-Juruti). Der
dortige 30 Kilometer lange See zählt
zu den schönsten Seen Amazoniens.
In ­diesem uralten indigenen Siedlungs-
raum wohnen rund 9.000 Menschen.
Sie leben vom Fischfang, vom Anbau
von Maniok und Bananen, sowie vom
Wald – alles im Einklang mit dem Öko-
system und den Jahreszeiten.
Der neue Wirkungsort konfrontiert
Brunhilde Henneberger unmittelbar mit
den großen Problemen Amazoniens:
Abholzung, illegaler Holzeinschlag,
­riesige Brandrodung für Rinderzucht
und Sojaanbau, umweltzerstörender
Bergbau, Vertreibung der Landbe­
wohner. Das ist eine ganz neue Her-
ausforderung, in der die sonst stille
und bescheidene Ordensfrau erst
recht Partei ergreift für die betroffe-
nen Menschen, zum Beispiel bei den
Landkonflikten. Bereits Anfang der
1980er Jahre hatte sie begonnen, die
Amazonien erscheint dem Besucher
traumhaft schön. Aber mächtige
Interessen beuten den Regenwald
rücksichtslos aus. Dabei werden die
Lebensgrundlagen der dort lebenden
Menschen zerstört. In Juruti Velho
kämpft die Franziskanerin Brunhilde
Henneberger für die Betroffenen
und gegen die Umweltzerstörung,
getragen von Franziskus’ Respekt
für die gesamte Schöpfung.
Eine Franziskanerin als »Regenwald-Kämpferin« in Amazonien
Schwester Brunhilde will »möglichst nahe bei den Menschen sein«. Besondere Liebe und Mühe schenkt sie den Kindern.
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