Im Land des Herrn | 79. Jahrgang | 2025 - 1

2/2025 23 seite des Sees die Vorausfahrt nach Betsaida am nördlichen Ufer befahl. Die zweiten Berichte von der Speisung der Viertausend bei Markus und Matthäus tragen zur Klärung wenig bei, da sie zwei andere, nicht sicher lokalisierte Zielorte der Überfahrt nennen: Bei Markus landen die Jünger nach dieser Speisung im Gebiet von Dalmanuta (Mk 8,10), bei Matthäus in der Gegend von Magadan (Mt 15,39) – letzteres mag eine andere Namensform von Magdala sein. Nach dem Markusevangeliumn ist Jesus vorher im Gebiet der Dekapolis, also am Ostufer, wo er einen Taubstummen heilte (Mk 7,31–37). 1911 und 1932 unternahm der Deutsche Verein vom Heiligen Lande auf seinem Grundstück Ausgrabungen. Man fand die Überreste von zwei byzantinischen Kirchen übereinander. Die ältere (18x9,5m) war in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts gebaut worden und fiel wohl dem Erdbeben des Jahres 419 zum Opfer. Ihr folgte gegen 480 ein zweiter Kirchenbau, der im 7. Jahrhundert (614 von den Persern?) zerstört wurde. Er war wesentlich größer (30x20m), etwas anders ausgerichtet und vor allem mit prächtigen Mosaiken geschmückt. Unter dem Altar war ein Steinblock, der schon in der ersten Kirche Verwendung gefunden hatte – bereits die Pilgerin Aetheria erwähnt ihn. Die Mosaike und der Altarstein wurden 1932 durch P.Johann Evarist Mader gefunden und 1936 durch einen einfachen Notüberbau gesichert. 1969 führte ein Erdbeben zu Aufwerfungen; die kostbaren Mosaike mussten abgenommen und auf Beton gesichert werden. 1980/1982 hat der Deutsche Verein vom Heiligen Lande nach Plänen der Architekten A. Goergen und F. Baumann eine harmonische neue Kirche erbaut, welche der zweiten byzantinischen Kirche folgt. Bemerkenswert ist das Bronzeportal von Elmar Hillebrandt, Köln, am Mitteleingang der Kirche. In der rechten Ecke der Eingangsfront der Kirche dokumentiert eine Jesajafigur vom Kölner Dom die enge Beziehung zwischen Köln und Tabgha. Die Worte des Jesajaprophetie, „das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht“, beziehen sich ja gerade auf diesen Landstrich im Gebiet von Seblon und Naftali, auf den Weg am Meer (Jes 8,23–9,1). Beherrschendes Zentrum der Kirche ist der Altarraum mit dem weltberühmten Mosaik, dem Korb mit vier Broten und zwei Fischen. Es dokumentiert, dass hier des besonderen Zeichens der Speisung der Menge durch Jesus gedacht wurde. Eine kleine Änderung im liturgischen Sinn und im Interesse der Gottesdienstteilnehmer ist vorgenommen worden, indem man das Brot-undFische-Mosaik vor den Altar gelegt hat, während es ursprünglich dahinter war. Verwunderung wird bei aufmerksamen Betrachtern erregen, dass der Künstler neben den zwei Fischen nur vier Brote abgebildet hat, obwohl in den Evangelien von fünf Broten die Rede ist. Manche antworten, das fünfte Brot sei unter den vier sichtbaren zu denken; doch überzeugt das kaum. So darf eine theologische Erklärung versucht werden: Der Künstler denkt sich das fünfte Brot auf dem Atrium der Kirche © Vuk Mosaik und Stein unter dem Altar © G. Klaus Tabgha Tabgha

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