24 2/2025 Altar und stellt damit den offenkundigen Bezug von der „Speisung des Volkes in der Wüste“ zur Eucharistie her. Wenn man diese Beziehung zur Eucharistie für das Wichtigere nimmt, ist es auch weniger verwunderlich, diese Erinnerungsstätte hier am Nordwestufer des Sees, im bewohnten Gebiet, zu finden. Freilich glaubten schon Aetheria und der Pilger Theodosius (vor 530), die Speisung der 5000 habe hier stattgefunden. Vor dem Altarraum stehen zwei zeitgenössische Ikonen der Benediktinerin Marie Paul vom Ölberg in Jerusalem; die Bilder von Christus und der Gottesmutter rechts und links deuten eine Ikonostase an. Auf ihrer Rückseite wird in byzantinischer Tradition der vermutlichen Stifter gedacht. Als vermuteter Erbauer der ersten Kirche wird der Konvertit Graf Joseph von Tiberias dargestellt. Etwas sicherer ist man mit Patriarch Martyrius (478– 486) bei der zweiten Kirche; seine Beziehung mit der Kirche wird durch eine beschädigte Mosaikinschrift links vom Altar bezeugt. Die Mosaike, die in den Seitenschiffen erhalten sind, stellen die am See vorkommende Tier- und Pflanzenwelt dar (Kormorane, Reiher, Flamingos, Störche, Enten, Schreitvögel, Nattern, Klippdachse usw.), sie inspirieren sich aber auch an der ägyptischen Nilfauna und -flora (z.B. Lotusblüten). Ob auch das Nilometer (ein Wasserstandsmesser zur Messung des Nilhochwassers) auf äyptischen Einfluss hindeutet, ist umstritten. Es ist wahrscheinlich, dass es auch in der Gegend von Tabgha eine Art Nilometer gab, um die Wasserhöhe der Quellen zu messen. Darauf deuten griechische Buchstaben hin, die man in Basaltringen – Teilen von Wasserleitungen – eingeritzt gefunden hat. Die Darstellungen von Bewässerungsanlagen im Mosaik sind ein Hinweis darauf, dass diese Anlagen von den Erbauern der Basilika in Auftrag gegeben wurden, die sie ausdrücklich und stolz in diesem Mosaik zur Schau stellen wollten. Für die Kapitelle der Kirche diente ein Kapitell als Modell, das bei Ausgrabungen in Hippos auf der anderen Seite des Sees aufgefunden wurde; es ist in der Eingangshalle des Kreuzgangs ausgestellt. Die Ausführung der Kapitelle war dem arabischen Bildhauer F. Nastas aus Bet Dschala bei Betlehem anvertraut. Jeweils zum Seitenschiff hin sind in die Kapitelle statt der sonstigen Akanthusblüten die Köpfe der am Neubau der Kirche beteiligten Personen eingefügt. Ein interessantes Detail findet man in der nördlichen Seitenkapelle, der Sakramentskapelle der Kirche: Die nördliche Außenwand verläuft nicht rechtwinklig, sondern etwas schräg im Vergleich zu den anderen Mauern – wahrscheinlich bedingt durch den antiken Darstellung eines Vogels im Mosaik … © G. Klaus …und wenige Meter entfernt am See IM LAND DES HERRN
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