Im Land des Herrn | 79. Jahrgang | 2025 - 1

2/2025 33 P. Hans-Josef Klauck OFM 1946–2025 Ein Leben aus, mit und für die Bibel Petrus Schüler OFM P. Hans-Josef ist sicher vielen unserer Leser bekannt: als Schriftsteller, als Professor, als Seelsorger – und mit einem gewissen Stolz darf ich anfügen: auch als Autor unserer Zeitschrift. Die Stationen seines Lebens seien nur kurz genannt; in Hermeskeil geboren, mit 20 Jahren in den Franziskanerorden eingetreten, zum Priester geweiht, promoviert er im Jahre 1977 zum Dr. theol. für Neues Testament in München. Schon 1980 folgt die Habilitation in München, danach eine Professur in Bonn und später in Würzburg. Seit 1998 wieder in München als Professor für Exegese des Neuen Testamentes, geht er dann ab 2001 als Professor an die „Divinity School“ der Universität Chicago, USA. Es gibt sicher viele Menschen, die diesen liebenswürdigen Mitbruder länger und besser kannten als ich; doch möchte ich einige sehr persönliche Erfahrungen mit den Lesern teilen. In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war er schon im Konvent St. Anna in München stationiert und in dieser Zeit lernte ich ihn kennen – keinesfalls als abgehobenen Professor, sondern als Mitbruder der treu seinen religiösen Pflichten nachkam und noch dazu sehr gesellig in der Unterhaltung. Einen Wesenszug spürte ich damals schon: seine Bescheidenheit im Umgang und seine Bereitschaft, wenn er um Hilfe gebeten wurde. Als er im Jahre 2022 aus Amerika zurück nach München und St.Anna kam, haben viele Mitbrüder nicht gedacht, dass er, der so viele Jahre im Ausland und mehrheitlich allein gelebt hat, sich wieder so problemlos in den Klosteralltag einfügen konnte und wollte. Erstaunlich: jeden Tag nach dem Mittagessen stand er am Spülbecken, jeden Tag am Morgen erschien er zum Gebet in der Kirche. Und gerade für einen wie mich, der als Laienbruder keine akademischen Studien vorzuweisen hatte und immer mit Fragen „lauerte“, war er der geduldigste und dabei auch „spritzigste“ Gesprächspartner. Und das ging allen so – hatte man eine Frage, war HansJosef einfach die erste Adresse. Doch galt seine Kompetenz – und die war gewaltig – nicht nur seinem „Lehrgebiet“; genauso begeistert war er der Musik zugetan und dem, was man „Weltgeschehen“ nennen kann. Als sich eine schwere Erkrankung zeigte, bat er mich öfter um Hilfe und ich habe es als eine Ehre angesehen, dass er mir vertraute und mir auch seine Ängste nicht verbarg. Mir bleibt ein Gespräch in Erinnerung, als ihm gerade vom Arzt eröffnet wurde, dass er sich einer schweren Operation unterziehen muss; ihm käme das gerade „sehr ungelegen, weil er das eine Buch gerade zu Ende zu schreiben hätte“. Keinerlei Klage, dass es auch schmerzlich sein würde oder sich sein Leben radikal ändern könne – einzig seine Bedenken, dass er anderen Menschen zur Last fallen könnte. Der Titel seines letzten Buches, quasi ein Vermächtnis an uns: „Seinen Spuren folgen: Die Rezeption der Schrift in der nicht-bullierten Regel des Franziskus von Assisi“. Seine akademische Arbeit war unbestritten „Weltklasse“ und man sah ihn ständig lesen. Ja, er verschlang Bücher förmlich und allein die Verpackungen der Büchersendungen, die ich für den Versand im Kommissariat verwendete, stapelten sich Woche für Woche.

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