Im Land des Herrn | 79. Jahrgang | 2025 - 1

38 2/2025 IM LAND DES HERRN biblischer Intertextualität mit, gerade genug, um ihn für eine fast überstürzte Taufe vorzubereiten. Der intensiveren Taufvorbereitung dient denn auch der V. 37, eine spätere Ergänzung, die deswegen oben in eckigen Klammern steht. Der Täufer Philippus fragt den potentiellen Täufling: Glaubst du an Jesus Christus? Der Täufling antwortet: Ja, ich glaube. Dadurch wird dem frommen Empfinden Rechnung getragen; der Ritus kommt zu seinem Recht. Der Weg Eine letzte Beobachtung zu einer feinen Nuance in unserem Text. Wenn Philippus ihn fragt: „Verstehst du auch, was du da liest“ (V. 30), gibt der Äthiopier zur Antwort: „Wie könnte ich denn, wenn niemand es mir auslegt“ oder, wörtlicher, „wenn niemand mir den Weg weist“. Zum Verstehen der Schrift angeleitet zu werden gleicht der Wanderung auf einem Weg in unbekanntes Terrain. Das geschieht nicht zufällig auf dem Weg von Jerusalem nach Gaza. Wir denken unwillkürlich an die Emmausjünger, denen Jesus auf dem Weg die Schrift erschloss (Lk 24,32). Der Weg gewinnt so eine hohe symbolische Bedeutung. Er reflektiert gewissermaßen die katechetische und mystagogische Strecke vom ersten Unterricht in der Schrift bis hin zum abschließenden Ritual der Taufe, das in die christliche Gemeinde eingliedert. Weg, Wagen, Wort und Wasser, vom Rollen der Räder zum Ritus des Taufbades – das ist der Lageplan für alle, die sich mit einer alten Karte auf Schatzsuche begeben. Nachrichten aus dem Heiligen Land Neue Kirche an der Taufstelle Der Ort der Taufe Jesu am Fluss Jordan ist in den letzten Jahren leichter zugänglich geworden; auf der von Israel besetzten Seite wurden von internationalen Organisationen viele Minenfelder geräumt und wir berichteten in unserer Zeitschrift (Ausgabe 1/2021) von der Übernahme des über 50 Jahre unzugänglichen Klosters der Franziskaner. Auf der anderen Seite des Jordans – der Fluss bildet die Grenzlinie zu Jordanien ist die Taufstelle (arabisch: Al Maghtas) Teil eines sich weit erstreckendenden Nationalparks, der mittels kleiner Busse besucht werden kann. Wie im Bild ersichtlich, sind in den letzten Jahren dort mehrere Kirchen entstanden, wenn auch den meisten Pilgern vor allem die griechisch-orthodoxe Kirche in unmittelbarer Nähe zur Taufstelle bekannt ist. Nun endlich, nach 15 Jahren, ist auch der Kirchenbau der katholischen (lateinischen) Kirche am 10. Jänner 2025 geweiht worden. Der Grundstein wurde noch vom deutschen Papst Benedikt XVI. im Jahre 2009 gelegt, sein Nachfolger Papst Franziskus besuchte den noch unfertigen Kirchenbau bei seiner Reise im Jahr 2024 und er selbst bestimmte seinen Kardinalstaatssekretär, Kardinal Pietro Parolin, als Legaten zur Weihe der Kirche. Schon vor mehreren Jahren fragte das Lateinische Patriarchat Jerusalem die Franziskaner Taufstelle von der jordanischen (östlichen) Seite aus, gut sichtbar die „Kirchenlandschaft“

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