4/2025 11 getragen hat“ bis zum „Freund Gottes“, mit dem Jahwe „von Angesicht zu Angesicht gesprochen hat“. – Leider können wir über diesen großen Mann (aus Gründen, die wir eben angedeutet haben) kaum etwas historisch Verlässliches sagen. Gewiss: Mose hat gelebt und unter seinen Brüdern und Schwestern gewirkt. Aber was ihm in unserer Bibel an einzelnen Handlungen und Unternehmungen zugeschrieben wird, ist eine Mischung aus geschichtlichen Erinnerungen und vielen späteren theologischen (und legendären) Ausschmückungen. – Bedenken wir folgendes: Nach der Ansicht der Fachleute dürfte der Pharao, mit dem Moses sich auseinandersetzen musste, Ramses II. (1304–1237 v. Chr.) gewesen sein. Die Geschichten, die wir heute in unserer Bibel über Mose und den Auszug Israels aus Ägypten lesen, wurden aber erst im 5. Jahrhundert v. Chr., also über 700 Jahre nach Mose endgültig geformt und schriftlich fixiert. Sie verraten deshalb nur noch wenig über den „realen“, sondern mehr über den „idealen“ Mose. Anders gesagt: Sie schildern einen „Propheten, Priester und Gottesmann“, dessen Bild in den Seelen frommer Juden durch Jahrhunderte der Verfolgung und Glaubensnot immer lebendig geblieben war. Und das übrigens im Christentum seine Fortsetzung und Erfüllung fand. Für die Christen war Mose ein Vorbild Christi. Was Mose anstrebte und in menschlicher Schwäche verfehlte (den uneingeschränkten Glauben an Gott, die Gleichförmigkeit mit seinem Willen): Das war in Jesus Christus erreicht worden. Bei der Verklärung Jesu ist Mose anwesend, aber er tritt hinter Jesus zurück. Er verweist auf den, der die Sendung des Mose erfüllt, indem er der vollkommene Mittler zwischen Gott und Menschheit ist und einen „neuen Bund“ begründet, für den der alte nur ein Vorzeichen war. Aber kehren wir nach diesem Ausflug in die Sphären der theologischen Spekulation auf die Erde zurück. Genauer gesagt: Schauen wir uns in dieser Folge die Lebensgeschichte des Mose an, wie sie uns in den biblischen Schriften vorliegt. – Da diese Lebensgeschichte viel „Theologie in erzählender Form“ enthält, werden wir uns in der nächsten Fortsetzung (ähnlich wie wir es bei Abraham gemacht haben), mit markanten Szenen aus dem MoseLeben befassen und sie theologisch auslegen. Ein ägyptischer Name Der Name Mose ist vermutlich ägyptischen Ursprungs und von dem Verbum „msj“ abzuleiten, das „erzeugen, gebären“ heißt. In Eigennamen steht dieses Wort immer in Verbindung mit einem Götternamen. Ramose heißt z. B. „Der Sonnengott Ra hat geboren“, und der Sohn der Sonne ist bei diesem Beispiel der Pharao Ramses. – Ähnlich ist es bei dem Pharao Thutmosis: hier hat der Weisheitsgott Thot den Herrscher Ramses II, Granitkoloss bei der Bergung, jetzt im Museum in Memphis, Ägypten, Dia-Archiv Kommissariat München Mose Mose Verklärung Christi, Altarmosaik St. Peter, Vatican
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