4/2025 19 Danach war die Zeit des Weinens und der Klage um Mose beendet“ (Dtn 34,7). Tod im Angesicht des Zieles Der Mose unserer Geschichte, der sein Ziel gewissermaßen nur um wenige Schritte verfehlt hat, wurde für die Frommen in alter und neuerer Zeit zu einer Symbolfigur. Er verkörpert eine Erfahrung, die so mancher Gläubige bis heute machen muss: Das Scheitern nach langer Bemühung, die Unfähigkeit, aus eigener Kraft, die letzte Strecke ins „Gelobte Land“ zurück- zulegen. – Der bekannte evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hat sich am Vorabend seiner von den Nazis verfügten Hinrichtung (er starb am 9. April 1945) mit dem sterbenden Mose auseinandergesetzt und identifiziert. Das Gedicht, das er in dieser Stimmung geschrieben hat, mag kein Meisterwerk sein. Aber es spricht jeden an, der um das Schicksal des Dichters weiß. Und es bringt uns den Mose der Bibel nahe, der bis zuletzt mit seinem Gott und seinem Volk gerungen hat. – Hören wir die wichtigsten Verse aus der Dichtung Bonhoeffers: „Auf dem Gipfel des Gebirges steht Mose, der Mann Gottes und Prophet. Seine Augen schauen unverwandt in das heilige, gelobte Land ... Treuer Herr, dein ungetreuer Knecht weiß es wohl: du bist allzeit gerecht. So vollstrecke heute deine Strafe, nimm mich hin zum langen Todesschlafe... Sinkend, Gott, in deine Ewigkeiten, seh mein Volk ich in die Freiheit schreiten. Der die Sünde straft und gern vergibt, Gott, ich habe dieses Volk geliebt. Dass ich seine Schmach und Lasten trug und sein Heil geschaut: das ist genug. Halte, fasse mich! Mir sinkt der Stab, treuer Gott, bereite mir mein Grab!“ Brennender Dornbusch und die Sandalen des Mose, St. Matthias Berlin Mose Mose Berg Nebo in Jordanien, im Hintergrund die Hauptstadt Amman © G. Pinto Ostuni OFM
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