Im Land des Herrn | 79. Jahrgang | 2025-4

4/2025 21 ließ „Gott, dem dreimal Besten und Größten, der seligen Jungfrau Maria und dem ganzen himmlischen Hofstaat wurde dieser Tempel von Grund auf errichtet auf Kosten der Eheleute Adam Tröndlin und Anna Maria Ulmerin MCCLXXXIII“. Diese Widmung findet sich auf der westlichen Empore. Der Sohn des Erbauers, Adam Tröndlin von Grafenegg – auch er Salzhändler – führte das Vermächtnis seines Vaters weiter, indem er eine Kaplanei stiftete und im Stiftungsbrief ausdrücklich erwähnt: „… mit einem in dem Chor nach heiligem hierosolymitanischen (Jerusalemer) Grab gleichförmig von Stein ausgehauener Begräbnis …“. Der Stifter selbst sowie Mitglieder der weitverzweigten wohlhabenden Familie haben in der Mitte der Kirche ihren Begräbnisplatz gefunden, unter dem neuen Zelebrationsaltar würdevoll unter Glasplatten sichtbar. (siehe Bild auf Seite 20) Woher kam die Inspiration des Stifters, den Ort seiner Grabstätte dem Heiligen Grab in Jerusalem nachbilden zu lassen? Auch wenn er selbst nicht im Heiligen Lande war – jedenfalls gibt es keinen Hinweis darauf –, waren es wohl Einflüsse, die Tröndlin durch Handelsbeziehungen und Reisen aus Tirol mitbrachte: das Kalvarienkirchlein bei Toblach wurde Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet, in Innichen war das im Jahre 1653 der Fall, der Kalvarienberg bei Bozen wurde bis 1684 errichtet. Anders wäre die aufwändige und kunstvolle Gestaltung der „Schauseite“ kaum zu erklären. Dalman bezeichnet das Waldshuter Heilige Grab „…nicht das treueste Nachbild des Originals, aber das im Barockstil am sorgsamsten gebaute und geschmückte …“ Eine weitere Inspiration kann dann aber doch eine (16-monatige) Heilig-Land-Reise sein, die der Kapuzinerpater Ignatius Eggs 1656 unternahm und über die er sehr ausführlich und originell berichtet; 1664 erschien die erste Auflage, die schon drei Jahre später erneut wieder aufgelegt wurde, jetzt mit zahlreichen Abbildungen und Beilagen versehen. Der Autor ist sehr gründlich in seinen Maßangaben, er erwähnt auch was an welchen Heiligtümern als „Bakschisch“, also „Trinkgeld“ zu entrichten ist und er setzt die Heiligen Stätten in Beziehung zu den verschiedenen biblischen Texten. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts gab es weitere Auflagen, Zeichen für das gewachsene Interesse am Heiligen Land. Kommen wir nun zum eigentlichen Baukörper, der dem Aussehen des Hl. Grabes in Jerusalem recht gut entspricht; Gustav Dalman bezeichnet diesen Typus als „Das Heilige Grab der Franziskaner seit 1555“. Wie im Bild auf Seite 22 zu sehen, krönt auch hier ein kleiner Dachreiter das Gebäude und lässt Licht und Luft herein. Die Frontseite (2,80 m breit, in Jerusalem 4,35 m) trägt über dem Türsturz die Jahreszahl der Erbauung MDCLXXXIII, gerahmt von den Familienwappen Tröndlin (links) und rechts jenes der Familie Ulmer, aus dem die Gattin des Stifters stammt. Die lateinische Inschrift ERIT SEPULCHRUM EIUS GLORIOSUM ISAIAIE CAP XI Heilige Grab in Waldshut Heilige Grab in Waldshut Erste Ausgabe des Pilgerberichtes von P. Ignatius Eggs, Bibliothek des Franziskanerklosters München

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