IM LAND DES HERRN kennen wir von sehr vielen Heiligen Gräbern, es ist die Bibelstelle aus Jesaja 11,10 die laut Vulgata dann auch immer übersetzt wurde mit: Sein Grab wird herrlich sein. Zwei weitere Bibelstellen werden an den beiden Seiten des Eingangs zitiert: auf der linken Seite vom Betrachter aus hält eine Figur das Spruchband mit den Worten: Ipse Autem vulneratus est propter iniquitates nostras. Isa C.53 übersetzt: Er selbst aber wurde verwundet wegen unserer Ungerechtigkeiten (Jesaja 53,5 vgl. Vulgata). So kann diese linke Figur als der Prophet Jesaja gedeutet werden. Auf der rechten Seite vom Eingang begegnet uns wieder eine Figur in orientalischer Tracht, die wir wegen der Bibelstelle in seinen Händen als den Apostel Paulus identifizieren können: Resurrexit propter iustificationem nostram. Rom. C.4. übersetzt: Auferstanden wegen unserer Rechtfertigung (Römer 4,25 vgl. Vulgata). Im Inneren der Grabkapelle fällt auf, dass die „Engelskapelle“ vollständig fehlt, die Anordnung der Grabbank im rechten Teil entspricht wieder dem Jerusalemer Original, es gibt keine Figur des toten Heilands, aber ein barockes Gemälde mit dem Auferstandenen zwischen zwei Engeln über der Grabbank, so wie es auch der Kapuziner Ignatius Eggs in Jerusalem vorgefunden hat und beschreibt: und ein uberauß alte Tafel / an welcher die Aufferstehung Christi / neben zween Englen abgemahlet … Ein früher angebrachtes Antependium befindet sich nun im Kirchenraum und trägt die Aufschrift DUX VITAE MORTUS REGNAT VIVUS – Die Worte aus der Sequenz der Ostermesse: Der Fürst des Lebens, der gestorben war, herrscht lebend. Das Äußere der Grabkapelle in hellem Sandstein wiederholt das Aussehen des Grabes in Jerusalem, wie es bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zu sehen war: spitzbogige Blendarkaden. Im Inneren wie auch hier in den Bögen sind Graffiti aus verschiedenen Jahrhunderten angebracht, Zeichen einer intensiven Ver- ehrung. Die Kirche liegt nur wenige Gehminuten vom Ortskern Waldshut entfernt und wird von der Pfarrei mustergültig gepflegt und unterhalten. Der umliegende historische Friedhof ist parkähnlich angelegt und erinnert an die Topografie in Jerusalem, lesen wir doch im Johannes-Evangelium: An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch nie niemand bestattet worden war (Joh 19, 41). Verwendete Literatur G. Dalman, Das Grab Christi in Deutschland, Leipzig 1922 W. Wolpert, Erit sepulchrum eius Gloriosum, 300 Jahre Gottesackerkapelle mit Heiligem Grab in Waldshut, in „Heimat am Hochrhein“ 1984, Verlag Südkurier Konstanz Neue Jerosolomytanische Bilger-Fahrt, Konstanz, Geng 1664 Vorderansicht des Grabbaues 22 4/2025
RkJQdWJsaXNoZXIy NDQ1NDk=