26 4/2025 Valerga dem Erzbischof von Bagdad als Sekretär und erlernte zusätzlich Chaldäisch. Seine Kenntnisse in dieser alten Sprache befähigten ihn dazu, einen Katechismus herauszugeben. In lokalen Kontroversen mit Muslimen wurde er verwundet und fand Pflege im französischen Konsulat. Als Generalvikar durch die Reisetätigkeit seines Bischofs oft auf sich alleine gestellt, renovierte und baute er Missionsstationen und Kirchen und erstellte zwei Wörterbücher. Das Talent als Baumeister hatte Joseph Valerga vermutlich vom Vater geerbt, der sich vom Maurer zum eigenständigen Architekten hochgearbeitet hatte. In Mossul schloss er Freundschaft mit Konsul Paul Emil Botta, die ihm Jahre später noch in Jerusalem zugutekam. Die Berichte von Don Valerga an die Heilige Kongregation der Propaganda wurden sehr geschätzt, und so blieb es nicht aus, dass neue Aufgaben auf den eifrigen Missionar zukamen. 1847 errichtete Papst Pius IX. das alte lateinische Patriarchat von Jerusalem neu. Ein kurz zuvor zustande gekommenes ökumenisches Bistum der Anglikaner mit den Protestanten in Jerusalem hatte die Kirche sozusagen dazu gedrängt, selbst etwas zu unternehmen. Am 16. Mai 1847 bestätigte der Papst die Wahl Valergas, dem er selbst auch am 10. Oktober 1847 die Bischofsweihe erteilte. Im Konsistorium wenige Tage zuvor hatte der Papst ausgeführt: „Mit dem Beifall der Kongregation der Propaganda haben Wir beschlossen, als lateinischen Patriarchen von Jerusalem unseren teuren Sohn, den Priester Joseph Valerga, zu ernennen, der besonders der Empfehlung würdig ist durch seine Unbescholtenheit, seine Frömmigkeit, seine Gelehrsamkeit, seine Klugheit und seine Erfahrung in den Geschäften, der ferner bereits in Syrien, Mesopotamien und Persien als Missionar tätig gewesen ist und mit Eifer und Fähigkeit bedeutende religiöse Angelegenheiten auszuführen verstanden hat, …“ In einem Brief an seine Mutter vom Tag nach der Weihe schrieb er darüber: „Der Heilige Vater hat mir die Pontifikalgewänder und die Silbergefäße geschenkt, deren er sich als Kardinal bedient hat.“ Der erste feierliche Einzug des Patriarchen in Jerusalem erfolgte am 17. Januar 1848, in die Grabeskirche am 2. Februar. Zunächst musste er die Gastfreundschaft der Franziskaner beanspruchen. 18 Monate später erst fand er Räume für eine entsprechende Wohnung. Gebäude des Lateinischen Patriarchates (gelb-weiße Vatikanflagge) vom Turm des Salvatorklosters aus Floß auf dem Tigris, Anfang des 19. Jahrhunderts © Dia-Archiv Kommissariat München IM LAND DES HERRN
RkJQdWJsaXNoZXIy NDQ1NDk=