Im Land des Herrn | 79. Jahrgang | 2025-4

Joseph Valerga Joseph Valerga 4/2025 27 Die Diözese musste erst neu organisiert werden. Die bestehenden Pfarreien mussten gefestigt werden. Neue Stationen sollten gegründet, Kirchen sowie ein Seminar gebaut werden, um einen einheimischen Klerus heranbilden zu können. Schulen mussten eröffnet und Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen werden. Das alles war nicht einfach, denn Ansprüche von Seiten der dort lebenden Muslime standen der friedlichen Ausbreitung der Kirche des lateinischen Ritus ebenso entgegen wie orthodoxe Interessen. Es kam nicht selten zu Handgemengen bis zu blutigen Auseinandersetzungen, bei denen der Patriarch selbst einzugreifen sich genötigt sah. Seine hervorragende Sprachkenntnis und sein Geschick sorgte für die Beilegung mancher Konflikte, die zur jungen Geschichte des Lateinischen Patriarchats gehören. Der Patriarch berichtete im Juni 1848 an die Kongregation von seinem Personalstand. In Jerusalem, Betlehem, Nazareth und Jaffa wirkten je ein Pfarrer mit ein oder zwei Vikaren, in Ain Karem, Ramle, Akko, auf Zypern in Larnaka und Nikosia jeweils ein Pfarrer; alle waren Franziskaner, einer war Karmelit in Haifa. Insgesamt waren es 16 Priester auf etwas über 4.100 lateinische Katholiken, dazu über 300 orientalische Gläubige, die mangels eigener Kirchen oder Priester bei den Lateinern untergekommen waren. Joseph Valerga war das friedvolle Miteinander der verschiedenen Riten von Anfang an ein großes Anliegen. Erster Generalvikar wurde Don Paul Brunoni, ein Weltpriester aus Zypern. Für den Aufbau von Mädchenschulen holte der Patriarch Josephsschwestern aus Marseille. Zehn Jungen aus guten einheimischen Familien sollten der Grundstock für einheimischen Klerus bilden. Priesteramtskandidaten schickte Don Valerga anfangs noch zu den Jesuiten im Libanon. 1847–1849 dauerte dann die im Krimkrieg mündende konfessionelle Auseinandersetzung um den Diebstahl des silbernen Sterns in der Geburtsgrotte in Betlehem. Ein erster Priester, Jean Morétain aus Frankreich, konnte nach Bet Dschala entsendet werden, hatte aber mit großen Anfeindungen zu kämpfen, die das Eingreifen des Patriarchen erforderten. Der Grundstein für Kirche und Gebäude in Bet Dschala wurde im Mai 1855 gelegt, die Kirche dann im März 1858 eingeweiht. 1851 hatte der Patriarch sein erstes Quartier in Jerusalem beziehen können, aber erst 1865 war seine Residenz fertig. Das Priesterseminar begann 1853 seinen Betrieb aufzunehmen; unter den ersten Professoren als Vizerektor der Karmelit P. Leonard, ein leiblicher Bruder des Oberhirten. Der jüdische Konvertit aus Frankreich P. Maria Alphons Ratisbonne kam als Priester in der Anfangszeit dazu. Weihnachten 1855 durften 30 Erwachsene neu in die Gemeinde in Dschifna aufgenommen werden, 1857 war der Bau des Pfarrhauses und des Seminars beendet und konnte neben der Mission in Ramallah offiziell eingeweiht werden. Leider starb der Mauermalerei in Bet Dschala „Gruppe der griechisch-orthodoxen Pfadfinder Bet Dschala“

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