Im Land des Herrn | 79. Jahrgang | 2025-4

4/2025 29 Joseph Valerga Joseph Valerga Patriarchen ansässig; es gab dreißig Bistümer, zu denen ca. 250.000 Orientalen zählten, ohne die Lateiner des Apostolischen Vikariats von Aleppo. Der Delegat musste besonders zwischen Rom und den Melkiten vermitteln, zwischen denen sich an der Kalenderfrage ein heftiger Streit entzündet hatte. Im Libanon wütete regelrecht eine Christenverfolgung, der binnen 22 Tagen über 7.700 Christen zum Opfer fielen. 560 Kirchen, 42 Klöster und 28 Schulen wurden zerstört. 1896 endlich konnte ein ernster Zwist bei der chaldäischen Kirche geschlichtet und mit der Vereinigung zweier armenisch-katholischer Kirchen unter einem Patriarchen friedlich beigelegt werden. Im Patriarchat in Jerusalem lebten 1860 zwanzig Priester. Don Joseph Valerga legte Wert auf ein geregeltes gemeinschaftliches Leben mit festen Mahl- und Gebetszeiten. Ein von Rom approbiertes erstes Direktorium erschien für das Patriarchat, das später sogar von amerikanischen Diözesen übernommen wurde. Ab 1862 traf aus Rom die Erlaubnis ein, in Jerusalem zehn Kanoniker zur Assistenz in kirchlichen Funktionen zu ernennen; für den Patriarchen eine Möglichkeit, neben den Russen und Griechen mit ihren ausladenden Liturgien zu bestehen. 1866 konnte Valerga mit Msgr. Vinzent Bracco, dem Rektor des Priesterseminars und langjährigen Weggefährten, seinen ersten Weihbischof konsekrieren, der 1872, nach dem Tod des Patriarchen, auch sein Nachfolger werden sollte. Bereits 1847 war die Vollmacht über den alten „Ritterorden vom Heiligen Grab“ dem Patriarchen übertragen worden, um den sich Jahrhunderte lang die Franziskaner gekümmert hatten. So waren verdiente und angesehene Jerusalempilger in den Orden aufgenommen worden, als Letzter am 16. Januar 1848 Don Valerga selbst. Jahrelang kämpfte er nun um eine feste Struktur des Ordens. Die angestrebte Reorganisation sollte dem Orden auch die notwendige Anerkennung verschaffen. Am 24. Januar 1868 markierte ein Breve Pius IX. die Wiedergeburt des Ordens, legte die Ordenstracht und drei unterschiedliche Grade der Zugehörigkeit fest. „Unser verehrungswürdiger Bruder, der Patriarch von Jerusalem“, so die Formulierung des Papstes, hatte fortan das Recht, Ritter zu ernennen und einzusetzen. Bis zu seinem Tod hat Joseph Valerga 1417 Männer aus zwanzig Nationen zu Rittern Der emeritierte Weihbischof im Lateinischen Patriarchat, Giacinto-Boulos Marcuzzo, der seine theologischen Studien in Bet Dschala absolvierte Grabesritter bei einem Einzug vor der Grabeskirche Jerusalem

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