IM LAND DES HERRN 34 4/2025 Sehen kannte; ich freue mich deren brüderliches und akademisches Leben geteilt zu haben. Pater Michele Piccirillo (1944–2008) war über 30 Jahre mein Mitbruder und Kollege. Wie P. Corbo gehörte P. Piccirillo der Kustodie des Heiligen Landes an, in die ich mit 16 Jahren eingetreten war. Er hatte am Antonianum, am Biblicum und an der Universität La Sapienza in Rom studiert und mit einem Diplom in Archäologie abgeschlossen. Im Sommer 1973 wurde er mit den ersten Restaurierungsarbeiten der archäologischen Funde vom Berg Nebo beauftragt. Im SBF selbst arbeitete er als Professor für Geschichte, Archäologie und biblische Geographie. Zudem leitete er das ihm angeschlossene Museum. Er arbeitete und forschte mit einer außerordentlichen Intensität und veröffentlichte unzählige wissenschaftliche sowie populärwissenschaftliche Werke und Artikel. Seinen kulturellen Aktivitäten in und über Jordanien verdankte er die Wertschätzung und die Freundschaft der Königsfamilie und schließlich das Privileg, am Berg Nebo beerdigt zu werden. Alviero Niccacci (1940–2018) stammte aus Umbrien und war ebenfalls Franziskaner. Er verbrachte den größten Teil seines Lebens in Jerusalem, wo er am SBF studierte und lehrte. Er wurde in Rom als Bibelwissenschaftler und Orientalist ausgebildet, auch am Päpstlichen Bibelinstitut und an der Universität La Sapienza. In Jerusalem hatte er das Glück, beim berühmten mehrsprachigen Orientalisten Hans Jakob Polotsky (1905–1991) zu studieren. An dessen Seite konnte er seine Kenntnisse der ägyptischen und der koptischen Sprache vertiefen, was ihm sehr nützlich war, als er die hebräische Syntax unterrichten musste. Dabei stützte er sich auf neue Perspektiven der Textlinguistik, um eine Theorie zur Untersuchung der Syntax des hebräischen Verbs zu entwickeln. Diese Theorie weckte sofort das Interesse der Spezialisten. Niccacci war auch für einen Zeitraum von sechs Jahren Direktor des SBF. Seine Bibliographie enthält sowohl Handbücher und Artikel über das Studium des Bibelhebräischen als auch exegetische Kommentare und Essays, Studien über die Beziehungen zwischen Ägypten und der Bibel und äußerst fundierte Rezensionen über orientalische Themen. Zudem begleitete er regelmäßig Exkursionen mit von ihm sorgfältig vorbereiteten Studierenden und bekam Zuschüsse Michele Piccirillo (zweiter von rechts) bei den Ausgrabungen in Umm ar-Rasas in Jordanien © Studium Biblicum Jerusalem
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