6 4/2025 IM LAND DES HERRN tun, um zumindest einen Teil des Schulunterrichts wieder aufzunehmen. Vor dem Krieg haben wir vier Schulen betrieben. Eine davon ist teilweise beschädigt – die Menschen auf unserem Kirchgelände leben jetzt dort. Die anderen Schulen wurden zerstört. Unser Ziel ist es, mindestens eine davon so schnell wie möglich wieder zu eröffnen. Das ist absolut notwendig. Wenn man eine Zukunft haben will, muss man an die Kinder denken. Wird die christliche Gemeinschaft in Gaza bleiben? Ich denke, einige werden bleiben und andere werden gehen – das ist schwer vorherzusagen. Ob man geht hängt davon ab, ob man im Ausland eine Chance bekommt. Aktuell wollen einige von denen, die zu Beginn des Krieges, als die Grenze noch offen war, gegangen sind, zurückkommen. Das zeigt, dass auch sie mit ernsthaften Problemen konfrontiert sind. Sie haben keine Visa und keinen rechtlichen Status, daher kehren sie lieber nach Hause zurück. Wie war es eigentlich vor dem Krieg als Christ im von der Hamas kontrollierten Gazastreifen zu leben? Wie gesagt, wir hatten vier Schulen, die wir frei und problemlos betreiben konnten. Wir konnten auch innerhalb unseres Geländes unseren Glauben frei ausüben. Natürlich konnten wir keine Fronleichnamsprozession auf den Straßen veranstalten, aber das haben wir auch vor der Hamas nicht getan. Zeitweise hatte die HamasRegierung auch eine spezielle Abteilung, die für Nicht-Muslime zuständig war – also nur für uns, da wir die einzigen Nicht-Muslime dort sind. Gelegentlich kam es zu Konflikten oder Missverständnissen mit einigen muslimischen Familien, aber das gehört zum Leben dazu. Insgesamt waren die Beziehungen immer recht respektvoll. Diesen Sommer haben Sie Taybeh im Westjordanland besucht, kurz nachdem das Dorf von extremistischen Siedlern angegriffen wurde. Sie und andere Kirchenführer sind dorthin Sportunterricht in der Schule der Rosenkranzschwestern in Gaza vor dem Krieg
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