4/2025 7 gereist, um auf diese Angriffe aufmerksam zu machen. Was genau ist passiert? Taybeh ist das einzige christliche Dorf im Westjordanland und daher für uns neben Bethlehem natürlich eine Art Symbol. Aber das Problem der Siedler im Westjordanland betrifft alle Dörfer. Was passiert ist: Die Siedler haben versucht, sich Teile des Landes anzueignen und die Bewohner auf dem Weg zu ihren eigenen Feldern zu behindern. Viele von ihnen arbeiten in der Landwirtschaft. Jetzt ist zum Beispiel gerade Erntezeit für Oliven, und die Siedler wollen das verhindern, um der Bevölkerung dort Probleme zu bereiten. Wir mussten dorthin fahren und eine Messe feiern, auch mit der Presse, um der Gemeinde unsere Unterstützung zu zeigen und auf das Problem aufmerksam zu machen. Wir haben auch ein Ende der Angriffe und die strafrechtliche Verfolgung der Täter gefordert. Aber da ist nichts passiert. Deshalb haben wir uns mit mehreren Generalkonsulaten in Jerusalem abgestimmt, um während der Olivenernte jeden Tag vor Ort zu sein. Denn wenn die Siedler Ausländer und Diplomaten sehen, halten sie sich zurück. So weit müssen wir gehen, um das Recht der Menschen zu sichern, auf ihrem eigenen Land zu arbeiten. Sollten sich nicht die Sicherheitskräfte darum kümmern? Wie ist das in Taybeh organisiert? Ich muss daran erinnern, dass das Westjordanland in drei Gebiete unterteilt ist. Gebiet A steht vollständig unter der Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde. In Gebiet B wird die Verwaltung von der Palästinensischen Autonomiebehörde geführt, aber die Sicherheitskräfte werden von Israel organisiert. In Gebiet C ist Israel für beides verantwortlich. Gebiet A ist fast ausschließlich städtisch, während Landwirtschaft und Dörfer wie Taybeh in den Gebieten B und C liegen. Die Palästinensische Autonomiebehörde hat keinen Zugang zu diesen Gebieten. Israelische Sicherheitskräfte sollten eigentlich präsent sein, sind es aber nicht. Warum das so ist, können wir nur vermuten, da wir keine verlässlichen Informationen haben. Häuser am Dorfrand von Taybeh, oben links erscheint die Stadt Jerusalem © Andrea Krogmann Interview Interview
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