FRIEDENSSTIFTER Wie Franziskus später selbst bezeugt hat, hatte er diese Art von Gruß durch Gottes Offenbarung gelernt, nämlich: »Der Herr gebe dir den Frieden!« Deshalb verkündete er in jeder Predigt den Frieden und grüßte so am Anfang der Predigt das Volk. Und gewiss ist es auffallend, wenn nicht gar ein Wunder, dass er für diesen Gruß schon vor seiner Bekehrung einen Vorläufer hatte, der oft durch Assisi gegangen war und auf folgende Weise gegrüßt hatte: »Friede und Heil, Friede und Heil!« Allsogleich verkündete der Mann Gottes Franziskus, vom Geist der Propheten erfüllt, also sofort nach seinem erwähnten Vorläufer gemäß dem prophetischen Wort den Frieden und predigte das Heil. Durch seine heilbringenden Ermahnungen wurden sehr viele mit dem wahren Frieden verbunden, die im Widerspruch zu Christus gewesen und weit vom Heil entfernt waren. [vgl. Thomas von Celano] Traumata heilen Versöhnungsarbeit im südlichen Afrika Jeder Mensch hat seine persönliche Geschichte und diese ist wichtig. Im südlichen Afrika ermutigen wir Franziskaner Frauen und Männer, ihre Lebensgeschichten zu erzählen und den Geschichten anderer zuzuhören. Auf diesem Weg werden in unseren »Healing of Memory«-Seminaren innere Heilung und Frieden, gegenseitiges Verständnis und Versöhnung gefördert. Unser Engagement zur Heilung von Erinnerungen wurde angeregt durch Michael Lapsley, einen anglikanischen Priester aus Neuseeland. Er kam in den 1970er-Jahren als Missionar nach Südafrika, um zu helfen, das abscheuliche Apartheidsregime – das politische System staatlich festgelegter und organisierter Rassentrennung – zu überwinden. Seine Bemühungen fanden jedoch nicht bei allen Zustimmung. Deswegen wurde er 1990 Opfer eines Mordanschlags, bei dem er beide Hände und ein Auge verlor. Trotz seiner Behinderungen begann er, Menschen, die während der Apartheid seelisch oder körperlich gelitten hatten, auf ihrer inneren Reise zur Heilung zu begleiten. Einige Franziskaner und Franziskanerinnen aus Namibia, Simbabwe und Südafrika erkannten in seinen Bemühungen wahren franziskanischen Geist am Werk. Sie ließen sich von seinen Mitarbeitern als Moderatoren für diese echte franziskanische Aufgabe ausbilden. Heilungsprozess Heute besuchen Angehörige aus allen Volksstämmen Namibias unsere Seminare: Baster, Damara, Deutsche, Herero, Nama und Owambo. Unter ihnen sind auch Nachkommen der Opfer des Herero- und Nama-Völkermords. Dieser wurde zwischen 1884 und 1915 durch deutsche Kolonialherren verübt. Wir begrüßen auch Namibier, die während des Befreiungskrieges zwischen 1961 bis 1974 in Gefängnissen in Angola brutale Behandlungen erlitten. Auch Überlebende von Misshandlungen während der Apartheid (1948–1994) in Südafrika besuchen unsere Seminare. Alle bringen tiefe persönliche Verletzungen mit in den Heilungsprozess und sind bereit, sich mit uns auf die gemeinsame innere Reise von Heilung und Versöhnung zu begeben. Der Franziskaner Teddy Lennon (Mitte) während eines »Healing of Memory«-Seminars TEXT: Teddy Lennon ofm | FOTOS: Selma Melkisedek Mwalulilandje CSNJ 12
RkJQdWJsaXNoZXIy NDQ1NDk=