Franziskaner Mission 1 | 2026

Am Ende unserer Treffen erleben wir freudig tanzende Frauen und Männer, nachdem sie ihre seelischen Lasten abwerfen konnten. Zufrieden äußern sie zum Beispiel: »Jetzt habe ich mein Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zurück. Ich sehe: Ich bin wichtig und glaube wieder an zweite Chancen, meine Perspektiven zu verbessern. Diese Seminar-Tage sollten öfter angeboten werden.« Die gute Nachricht unserer Seminare verbreitet sich: So bat vor einiger Zeit ein pensionierter Polizist aus Harare in Simbabwe um Kontakt zu unserem dort lebenden Moderator. Auch laden wir Politiker und Vertreter des öffentlichen Lebens zur Teilnahme an unseren Seminaren ein. Ich glaube, Franz von Assisi wird über unser Engagement erfreut sein und uns ermutigen: »Macht weiter! Habt keine Angst!« Denn Franziskus selbst überschritt im Jahr 1219 mutig Grenzen: Begleitet von Bruder Illuminato, wagte er während des Kreuzzugs das Gespräch mit dem mächtigen muslimischen Sultan Al-Malik al-Kamil Muhammad im ägyptischen Damiette. Viele hielten ihn für einen Träumer und seinen Plan für eine fixe Idee. Franziskus aber wollte ernsthaft Frieden stiften zwischen Christen und Muslimen und fand im Sultan einen Mann, der ihn in Ehren empfing und ihm gern zuhörte. Mit unseren Moderatoren, Brüdern und Schwestern der franziskanischen Familie und anderen Ordensmitgliedern, die persönlich unter der Kolonialherrschaft gelitten haben, planen wir in diesem Jahr dreitägige Treffen für Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen. Durch Reflexion und Begegnung kann aufrichtige Heilung Wege bahnen zu Frieden, Gerechtigkeit, Hoffnung und Gemeinschaft. Ferner planen wir, ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu regelmäßigen Begegnungen einzuladen und mit ihnen kleine feste Gemeinschaften aufzubauen. Vergebung schenken In unseren dreitägigen Tagungen versuchen wir, die Teilnehmerzahl auf 30 zu begrenzen und erwarten von allen die ununterbrochene Teilnahme. Fünf Moderatoren begleiten die Menschen durch Stille und Meditation und konzentrieren sich mit ihnen auf den Austausch von Wut, Hass und Vergebung. Das kann für jede und jeden eine sehr emotionale Erfahrung werden. Bei Nachfolgetreffen berichten alle von ihrer bisherigen inneren Reise und sind eingeladen, unsere Zusammenkünfte so oft zu besuchen, wie sie möchten. Wir stellen fest: Nach weiteren Besuchen sind einige in der Lage, Schritte zur Versöhnung zu unternehmen und Fortschritte im Umgang mit ihren Verletzungen zu machen. Wir freuen uns, dass alle Zweige der franziskanischen Familie im südlichen Afrika die heilsame Botschaft unseres franziskanischen Dienstes annehmen und verbreiten. Wir hoffen, in Zukunft auch Menschen in anderen Ländern Afrikas und darüber hinaus auf diese innere Heilungsreise mitzunehmen. Einige Namibier deutscher Abstammung, die an unseren Treffen teilnahmen, arbeiten jetzt in der deutsch-lutherischen Gemeinde von Swakopmund, an der namibischen Südatlantikküste, mit ihrem Pastor und dessen Frau zusammen. Sie feiern regelmäßig Versöhnungsgottesdienste in einem alten Amphitheater der Stadt. Der Pfarrer trägt bewusst das franziskanische Tau-Kreuz und erklärt: »Während meines Studiums in den Niederlanden hatte ich einen Franziskaner als Lehrer und lernte durch ihn die Bedeutung des Tau-Kreuzes kennen und schätzen.« Gewiss wird Franz von Assisi sich freuen über unsere Initiativen und vom Himmel uns zulächeln und zurufen: Pace e Bene! Frieden und alles Gute! Der Autor Teddy Lennon ist irischer Franziskaner und gehört zur südafrikanischen Franziskanerprovinz. Seit 1976 arbeitet er im Dienst von »Healing of Memory«. Übersetzung aus dem Englischen: Heinrich Gockel ofm Versöhnungsarbeit mit Kreativität und Gebet 13

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