Franziskaner Mission 1 | 2026

Eine Schülerin der Familienland- wirtschaftsschule in Lago da Pedra bewässert selbstgezogene Pflanzen. Im Einklang mit der Schöpfung Familienlandwirtschaftsschulen in Maranhão, Brasilien Schon in den 1950er Jahren begann die Missionsarbeit der Franziskaner in der Medio Mearim-Region mit ihrem Zentrum Bacabal im Bundesstaat Maranhão, einem der ärmsten Bundesländer Brasiliens. Seit den frühen 1980er Jahren war ein wichtiger Schwerpunkt der franziskanischen Arbeit die Betreuung der verarmten Landbevölkerung. Die Region mit viel offenem Land und mit Flüssen hatte viele Siedler aus dem von Dürre geplagten Nordosten angezogen. Außerdem gibt es in der Region eine große Anzahl von Quilombos, Dorfgemeinschaften von Nachfahren geflohener Sklaven. Die Kleinbauern lebten mehr schlecht als recht von der Landwirtschaft – ohne jegliche öffentliche Unterstützung. Die überall wachsenden Babaçu-Palmen ermöglichten es den Frauen, die Kokosnüsse zu sammeln, in mühsamer Handarbeit zu knacken und zu verkaufen. Die Regierung, auf Landes- und auf Bundesebene, war weniger am Wohl der Kleinbauern interessiert als an der »Modernisierung« der Landwirtschaft: Landbesitz wurde eingezäunt, Kleinbauern ohne offizielle Titel teilweise vertrieben und die Frauen verloren den freien Zugang zu den Babaçu-Palmen. Für die größeren Landbesitzer gab es Kredite und Anreize, das Land zu roden und in Viehweiden oder Sojafelder umzuwandeln. Für die Kleinbauern und BabaçuNussknackerinnen bedeutete die Entwicklung eine generelle Abwendung TEXT: Barbara Schmidt-Rahmer; Klaus Theodor Finkam ofm | FOTOS: Natanael Ganter; Vanderval Spadetti von einer Landwirtschaft im Einklang mit der Natur und für die Menschen, sondern stattdessen eine Hinwendung zum Agrobusiness. Und das hieß: Für den Profit gab es mehr Leid, Hunger und Verstrickung in Landkonflikte. Die schlechte öffentliche Gesundheitsversorgung und Schulbildung taten ihr übriges: Hunger, hohe Kindersterblichkeit, Analphabetismus, Landflucht. Entwicklungsprozess Die Franziskaner und andere Organisationen der Katholischen Kirche machten mit ihrer Missionsarbeit ein Gegenangebot. Sie stellten die Armen, Schwachen und Benachteiligten in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Ihr Ziel war es, Menschen zu befähigen, ihre Lebensumstände selbstbestimmt zu verbessern. Sie setzten auf Gemeinschaft, Solidarität und nachhaltige Entwicklung, anstatt auf kurzfristige Hilfsmaßnahmen und Abhängigkeit. Die Arbeit wurde auf vier sich gegenseitig ergänzenden Grundpfeilern aufgebaut: Bildung mit für die Landbevölkerung relevanten Inhalten; Gesundheitsversorgung einschließlich Erziehung zu Prävention und gesunder Ernährung; Förderung der kleinbäuBRUDER ALLER GESCHÖPFE Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, zumal dem Herrn Bruder Sonne, welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest. Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz: Von dir, Höchster, ein Sinnbild. Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter. [aus dem Sonnengesang des Hl. Franziskus]

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