Franziskaner Mission 1 | 2026

Die franziskanische Familie zeigt einen Banner mit der Strophe aus dem Sonnengesang über Mutter Erde. (vorne links: der Franziskaner Rodrigo, Verfasser dieses Artikels) die Armen seiner Zeit, um deren Leben zu teilen. So wurde er zum Bruder der Armen und zum Erneuerer der Kirche. Jede echte Reform beginnt im Herzen. Heute erlebt die Kirche erneut eine Zeit des Übergangs. Besonders aus dem globalen Süden kommt der Ruf nach Veränderung. Diese Regionen leiden am stärksten unter Klimakrise, Umweltzerstörung und Gewalt. Und das, obwohl sie am wenigsten dazu beigetragen haben. Bischöfe aus diesen Ländern fordern Klimagerechtigkeit und eine ökologische Umkehr. Sie kritisieren das System, das Profit über das Leben stellt. Dabei geht es nicht Der Autor Rodrigo de Castro Amédée Péret ist Franziskaner, lebt im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais und engagiert sich im franziskanischen Dienst für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Seit einigen Jahren konzentriert er sich vor allem auf das Thema Bergbau in Brasilien und weltweit. Übersetzung aus dem Portugiesischen: Márcia Santos Sant’Ana um Ideologie, sondern um das gelebte Evangelium. Der »grüne Wandel« ist notwendig. Aber er birgt Risiken und Widerstand der wirtschaftlichen Supermächte. Ein Beispiel ist der Bergbau: Der Abbau von Lithium, Kobalt oder von seltenen Erden zerstört oft Ökosysteme und vertreibt ganze Gemeinschaften. Zudem dienen diese Rohstoffe auch der Rüstungsindustrie. So können falsche Lösungen neue Ungerechtigkeiten und Konflikte schaffen. Eine verantwortliche Kirche prüft daher kritisch, welche Wege wirklich dem Leben dienen. Gerechtigkeit und Frieden Unsere Zeit ist von zunehmender Militarisierung geprägt. Viele Regierungen investieren in Waffen statt in Dialog. Verteidigerinnen und Verteidiger von Land und Wasser werden bedroht und ermordet. Das ist nicht der Weg Jesu und nicht der Weg des heiligen Franziskus. Er setzte in Zeiten der Gewalt auf Dialog und Frieden. Jede echte Erneuerung führt über Gewaltlosigkeit und Gerechtigkeit. In vielen Gemeinden des globalen Südens ist dieser Geist lebendig. Christinnen und Christen schützen Flüsse, Wälder und Territorien. Frauen und indigene Völker spielen dabei eine zentrale Rolle. Diese Praxis ist Ausdruck einer ökologischen Bekehrung: weniger konsumieren, mehr teilen, die Natur achten und den Leidenden beistehen. Und sie bedeutet auch, falschen Lösungen zu widersprechen. Der Tod des heiligen Franziskus war ein Übergang. Auch heute ist die Kirche gerufen, sich von lebensfeindlichen Systemen zu lösen und nahe bei den Armen und der verletzten Schöpfung zu bleiben. Franziskus nachzufolgen heißt, sich für Leben, Frieden und Geschwisterlichkeit zu entscheiden. Es bedeutet, auf den Schrei der Erde und den Schrei der Armen zu hören – ein gemeinsamer, einzelner Schrei. Möge dieses Jubiläum uns ermutigen, unseren Glauben und unsere Kirche zu erneuern, damit wir Werkzeuge des Friedens, der Gerechtigkeit und der Sorge um unser gemeinsames Haus werden. 22 | 23

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