Der Autor Darlei Pickler ist Mitarbeiter des franziskanischen Netzwerkes von Sozialprojekten (SEFRAS) und leitet eines dieser Projekte in Tanguá, Rio de Janeiro, Brasilien. Übersetzung aus dem Portugiesischen: Márcia Santos Sant’Ana Die Haltung der Solidarität und Verbundenheit war ein zentrales Anliegen des heiligen Franz von Assisi. Heute ist sie mehr denn je ein Schlüssel zur Bewahrung unseres gemeinsamen Hauses. Auch der Nachfolger von Papst Franziskus, Papst Leo XIV., bringt in seiner Enzyklika »Dilexi Te« diese Sorge um die Armen zum Ausdruck. Wenn wir im lebendigen Strom der Kirche bleiben wollen, der aus dem Evangelium entspringt und jeden historischen Moment befruchtet, dürfen wir die Armen nicht vergessen. Diese Ermahnung ist eng mit dem Leben des heiligen Franziskus verbunden, der mit und wie die Armen lebte. Sie ist zugleich eine Einladung zu einer christlichen Nächstenliebe, deren Kern die persönliche und strukturelle Umkehr ist. Seit einigen Jahren setzt sich der Franziskanische Solidaritätsdienst (SEFRAS) in Brasilien konkret für verarmte Menschen ein, vor allem in São Paulo und Rio de Janeiro. Meine Mitbrüder und ich kommen tagtäglich mit hungernden Menschen in Berührung. Besonders berührend ist die Erfahrung, einem Menschen zu begegnen, der seit vielen Jahren nicht mehr in Würde essen konnte. Ihm einen Tisch und einen Stuhl anzubieten, damit er in Ruhe essen kann, ist mehr als eine kleine Geste. Für einen Moment wird ihm ein grundlegendes Recht zurückgegeben: das Recht, zu essen, einen »Platz unter der Sonne« zu haben und seinen Hunger in Würde zu stillen. Solche Erfahrungen stehen jedem Menschen offen. Sie erfordern keine außergewöhnlichen Mittel, sondern vor allem Aufmerksamkeit, Offenheit und Mitgefühl. Wer sich darauf einlässt, wird entdecken, dass es viel einfacher ist, mit den Armen zusammen zu sein, als es zunächst scheint. So bleibt uns das franziskanische Erbe als Auftrag: in Einfachheit zu leben, solidarisch zu handeln und die Geschwisterlichkeit mit allen Geschöpfen zu pflegen – im Dienst an den Armen und im Schutz unseres gemeinsamen Hauses. Alles, was auf ihr lebt, ist unser Bruder und unsere Schwester. In diesem Sinn stellt sich die Frage: Werden die vielen Handlungen, die tagtäglich auf der ganzen Welt vollzogen werden, vom Prinzip der Geschwisterlichkeit geleitet? Die Antwort lautet eindeutig: Nein. Deshalb betont Papst Franziskus in seinem Text, dass alle Lebewesen tief miteinander verbunden sind. Die Zerstörung der Umwelt hat direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen – vor allem auf das Leben der Ärmsten. Umweltschutz ist daher nicht nur eine technische oder politische, sondern vor allem eine soziale und ethische Aufgabe. Diese Herausforderung betrifft nicht nur einzelne Länder oder Kontinente, sondern alle Menschen. Begriffe wie gemeinsames Haus, integrale Ökologie, sozioökologische Krise, Vernetzung und Humanismus stehen für diese Perspektive. Alles ist miteinander verbunden. Kein Lebewesen ist davon ausgenommen. Jedes Geschöpf ist Teil derselben Schöpfung. Die Mitarbeiterinnen von SEFRAS bereiten sorgfältig und voller Freude das Essen für die Gäste der Suppenküche vor. 11
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