Franziskaner Mission 1 | 2026

Die Autorin Barbara Schmidt-Rahmer, Gründerin von »Vencer Juntos« (»Zusammen gewinnen«) in Salvador in Brasilien, unterstützt und finanziert schwache Familien und Gemeinschaften in Nordostbrasilien bei der Vergabe von Kleinkrediten. Der Autor Klaus Theodor Finkam gehört der Deutschen Franziskanerprovinz an. In Teresina, Piauí, ist er als Arzt für Sozialmedizin und Naturheilverfahren tätig. Zusammenarbeit in der Familienlandwirtschaftsschule Manoel Monteiro in Lago do Junco bei der Bodenvorbereitung erlichen Produktion mit Schwerpunkt auf Ökologie und Produktion gesunder Lebensmittel für den Eigenbedarf; Förderung der kollektiven Organisation der Landbevölkerung und der Jugend in Vereinen und Genossenschaften, um ihre Interessen und Rechte zu verteidigen und die Arbeit selbstbestimmt fortzuführen. Bei der Bildungsarbeit war die Gründung der Familienlandwirtschaftsschulen (»Escola Família Agrícola«, EFA) ein Hauptschwerpunkt. Sie entstanden aus der Erkenntnis, dass herkömmliche Schulen den Bedürfnissen der ländlichen Jugend nicht gerecht wurden. Ziel der EFAs war es, eine praxisnahe und gemeinschaftsorientierte Bildung zu ermöglichen, die auf die Lebensrealität der Kleinbauernfamilien zugeschnitten ist. Herzstück der Familienlandwirtschaftsschulen ist die Lehr- und Lernmethode der Wechselpädagogik. Das bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler abwechselnd Zeit in der Schule verbringen und dann wieder in ihren Familienbetrieben arbeiten, wo sie das Gelernte direkt in der Praxis umsetzen. Und so ist der Ablauf: Eine Gruppe von Jugendlichen verbringt zwei Wochen im Internat der Schule und lernt dort theoretisches und praktisches Wissen – etwa zu nachhaltiger Landwirtschaft, Umweltschutz, Organisation und Menschenrechten. Anschließend kehren sie für zwei Wochen in ihre Dörfer zurück und wenden das Gelernte direkt auf dem Hof an, teilen es mit ihren Familien und Nachbarn und beobachten, wie sich Veränderungen auswirken. In der nächsten Schulphase bringen sie ihre Erfahrungen wieder mit in die Gruppe ein und reflektieren gemeinsam. Hilfe zur Selbsthilfe Im Zeitraum 1986 bis 2005 entstanden 20 Familienlandwirtschaftsschulen in Maranhão. Unter den ersten waren die EFAs von Poção de Pedras, Vitorino Freire, Lago da Pedra, São Luis GonTEXT ZUR MITTELSEITE »Franziskus von Assisi wurde in den letzten 800 Jahren in viele Schubladen gesteckt, obwohl er in keiner ganz zu finden ist.« Diese Erkenntnis stammt aus einem der fast unzähligen Franziskusbücher. Unser Jubilar hat eben viele Gesichter, wie diese Ausgabe der »Franziskaner Mission« durch die einzelnen Beiträge zeigen möchte. Das Puzzle der Franziskusdarstellungen auf der folgenden Mittelseite greift verschiedene Attribute des Heiligen auf und spiegelt den Reichtum und die kulturelle Vielfalt in der Volkskunst wider. zaga, Paulo Ramos und Lago do Junco (»Manoel Monteiro«). Die Schulen begannen ihre Arbeit als eingetragene Vereine mit finanzieller Unterstützung aus Deutschland, wie der Franziskaner Mission und anderen Organisationen. Im Laufe der Jahre gelang es, die offizielle Anerkennung der Schulen durch die Schulbehörden zu gewinnen und staatliche Förderung aus öffentlichen Mitteln zu erhalten. Trotz dieser Anerkennung fließen nur sehr begrenzt staatliche Mittel für den Unterhalt der Schulen. Daher ist die weitere Unterstützung aus Deutschland wichtig, um die Schließung einiger Schulen zu vermeiden. Die genannten Schulen werden nach wie vor von franziskanischen Organisationen, wie die Franziskaner Mission Dortmund, finanziell unterstützt. Neben ihrem wichtigen Beitrag zur Verbreitung nachhaltiger Methoden der Landwirtschaft und steigender Produktivität der Bauern, wurden die Schulen zu einer wichtigen Quelle gut ausgebildeter junger Menschen, die Führungspositionen in Projekten und lokalen Vereinen und Genossenschaften übernahmen. Hand in Hand mit dem Aufbau der EFAs ging die Unterstützung für die Gründung einer Reihe von Basisorganisationen der Bauern und BabaçuNussknackerinnen in der Region. Drei Beispiele sind die ASSEMA (»Verein der Landreformorganisationen von Maranhão«), ACESA (»Ermunterung für Bildung, Gesundheit und Landwirtschaft«) und COPALJ (»Genossenschaft der Nussknackerinnen von Lago do Junco«). Die Organisation der Babaçu-Nussknackerinnen hat sich weiterentwickelt in die Gründung einer interstaatlichen Bewegung der Frauen, die heute wichtigen politischen Einfluss hat. ASSEMA und ACESA gehören mittlerweile zu den anerkanntesten Basisorganisationen in Maranhão. Seit das Land eine progressivere und volksnahe Regierung hat, gelang und gelingt es diesen Organisationen immer öfter, öffentliche Gelder aus Brasilien selbst und aus dem Amazonienfonds für Wald- und Klimaschutz – 2008 von der Regierung Brasiliens mit dem Ziel des Aufhaltens der weiteren Zerstörung der Wälder im Amazonasgebiet gegründet – zu erwerben. Solange das nicht geschieht, schafft die franziskanische Hilfe, zusammen mit lokalen Hilfsorganisationen, sichtbare Verbesserungen für die jungen Menschen. 16 | 17

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