Authentischer Glaube Jugendkreuzweg in Santa Cruz de la Sierra, Bolivien Der Karfreitag gehört zu den bedeutendsten Momenten des christlichen liturgischen Kalenders, da er an das Leiden und den Tod Jesu Christi erinnert. In der Stadt Santa Cruz de la Sierra in Bolivien erhält diese Feier eine besondere Dimension durch die Aufführung des lebendigen Kreuzwegs, der von den Jugendlichen der Kapellen Virgen del Carmen und San Gabriel aus der Pfarrei San Antonio gestaltet wird. Die Feierlichkeiten der Karwoche zählen zu den tief verwurzelten Traditionen des Christentums, insbesondere in den Ländern Lateinamerikas, wo sich der Glaube nicht nur in der Liturgie, sondern auch in kulturellen und gemeinschaftlichen Ausdrucksformen von großer Bedeutung zeigt. In diesem Zusammenhang nimmt der Karfreitag eine zentrale Stellung ein, da er die Gläubigen einlädt, das Geheimnis des erlösenden Leidens Jesu Christi und seine Hingabe für die Menschheit zu betrachten. In Bolivien ist der lebendige Kreuzweg fest in der Volksfrömmigkeit verankert. Er ist eine Tradition, die ganze Gemeinschaften zusammenführt und von Generation zu Generation weitergegeben wird. In der Stadt Santa Cruz de la Sierra erhält diese Praxis einen urbanen und pastoralen Charakter, der die sozialen und religiösen Dynamiken der Region widerspiegelt. Evangelisierung Aus theologischer Sicht stellt der lebendige Kreuzweg eine Katechese in Handlung dar. Jede Station symbolisiert einen entscheidenden Abschnitt auf Jesu Weg nach Golgota und lädt zur Reflexion über menschliches Leiden, Ungerechtigkeit, Barmherzigkeit und die Hoffnung auf die Auferstehung ein. Die aktive Beteiligung der Jugendlichen bedeutet dabei nicht nur eine äußere Darstellung, sondern ein inneres Erleben der christlichen Botschaft. Der Karfreitag, der durch diese Darstellung erlebt wird, wird zu einem Raum gemeinschaftlichen Gebets, in dem Stille, Betrachtung und Sammlung eine tiefe geistliche Bedeutung gewinnen. Das Kreuz als zentrales Symbol erinnert die Gläubigen an die bedingungslose Liebe Gottes und an seine Nähe zum menschlichen Leid. Die Franziskanerpfarrei San Antonio fördert diese Aktivität durch die pastorale Begleitung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Mittel der Evangelisierung, das den Glauben mit dem Alltag verbindet. Die beteiligten Jugendlichen übernehmen eine tragende Rolle in der Weitergabe der christlichen Botschaft und werden zu sichtbaren Zeugen des Evangeliums in ihrer Gemeinschaft. Jugendliches Zeugnis Einer der bedeutendsten Aspekte des lebendigen Kreuzwegs ist das Zeugnis der Jugendlichen aus unserer Gemeinde. Die Vorbereitung auf diese Darstellung umfasst Wochen intensiver Proben, biblischer Reflexion und geistlicher Bildung, wodurch das Gefühl von Verantwortung und kirchlicher Zugehörigkeit gestärkt wird. Für viele von ihnen ist die Darstellung Jesu, Marias, der Apostel oder der Menschen aus dem Volk nicht nur ein künstlerischer Akt, sondern eine tiefgreifend verwandelnde Erfahrung. Durch die körperlichen und emotionalen Anstrengungen, die diese Dar- stellung erfordert, bringen die Jugendlichen ihren Glauben konkret und sichtbar zum Ausdruck, überwinden Ängste und entwickeln Fähigkeiten wie Führungsstärke, Teamarbeit und pastorale Verantwortung. Viele der Jugendlichen berichten, dass der lebendige Kreuzweg ihnen hilft, ihre Beziehung zu Gott zu vertiefen und die wahre Bedeutung des Opfers Christi besser zu verstehen. Gleichzeitig stärkt diese Erfahrung die Gemeinschaft innerhalb der Pfarrei und festigt eine aktive und engagierte Jugendpastoral. TEXT: Armin Rivera Miranda ofm | FOTOS: Pfarrei San Antonio »Alter Christus« Den wahren Knecht Christi, den heiligen Franziskus, der in manchen Dingen fast wie ein zweiter Christus der Welt zum Heil der Menschen gegeben war, wollte Gott Vater in vielen Taten seinem Sohn Jesus Christus gleichförmig und ähnlich machen. [vgl. Fioretti] 28
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