Franziskaner Mission 1 | 2026

ein Haus besuchen. Man bot an, den Rosenkranz in den Anliegen der dort lebenden, gastgebenden Familie zu beten. Dies wurde von den Bewohnern freundlich angenommen. Die jungen Stimmen der Kinder und Jugendlichen verleihen dem traditionellen Gebet einen besonderen Charme. Es endet stets mit der Segnung des Hauses und einem geschwisterlichen und gemütlichen Beisammensein bei Kakao und Gebäck. Schnell wurden dieses Gebet und das Erleben von Gemeinschaft so beliebt, dass die Liste der Familien, die sich einen solchen Besuch wünschten, immer länger wurde. Damit war das Fundament für eine zukünftige Gemeinde gelegt. Und wo Gemeinschaft wächst, braucht sie bald auch einen gemeinsamen Ort. Es musste also zunächst ein Dach gefunden werden, unter dem sich eine größere Gruppe von Gläubigen versammeln konnte, auch zur sonntäglichen Messe. Also machten sich einige Ortskundige mit mir auf die Suche, um einen ersten Standort für ein kleines Pfarrzentrum zu suchen. Ein Grundstück bot sich an. Doch zunächst musste mannshohes Gras mit Macheten geschnitten und viel Sperrmüll und Schrott entfernt werden. Das bescheidene Haus, das sich auf dem Grundstück befand, bot Raum für Sakristei, Büro, Besprechungszimmer und Küche. Es musste aber zuvor noch renoviert werden. Für die Feier der Gottesdienste, für Katechese und größere Versammlungen wurde eine Dachkonstruktion errichtet. Am Vorabend des Pfingsttages 2022 konnte das improvisierte Pfarrzentrum feierlich eingeweiht werden. Aber es sollte uns leider nur drei Jahre lang dienen, bis der Vertrag auslief. Die äußerst ungünstigen Bedingungen für eine Verlängerung des Mietvertrages oder den Kauf des Anwesens kamen für uns nicht in Frage, also mussten wir uns erneut auf die Suche machen. Aber die äußeren Umstände erschwerten die Situation zusätzlich: San Julián ist eine Hochburg der sozialistischen MAS-Partei, welche in der Kirche einen politischen Gegner sieht. Noch dazu wirken dort viele verschiedene evangelikale Sekten, die in einer oft militanten Weise die Menschen abwerben und beeinflussen. Die Hoffnung, eines Tages von der politischen Gemeinde ein öffentliches Grundstück zur Verfügung gestellt zu bekommen – für den Bau einer schönen, großen Kirche und eines Gemeindezentrums –, hat sich bis heute nicht erfüllt. Der politische Wind war bisher ungünstig. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Gemeinschaft der Gläubigen allem getrotzt und durchgehalten hat. Ihre Bereitschaft mitzuhelfen, gemäß ihren Möglichkeiten zu spenden und Material zu stiften, ist bewundernswert. Ein Neuanfang Solidarität machte schließlich einen neuen Anfang möglich. Mit Unterstützung aus Deutschland kauften wir ein kleines Grundstück, auf dem noch sehr viel Erde aufgeschüttet werden musste, um bei den hier so starken Regenfällen nicht überschwemmt zu werden. Vom Der Autor Robert Hof stammt aus Dachau und ist seit 2021 Pfarrer in San Julián in Bolivien. Anwesen, das wir aufgeben mussten, trugen wir alles ab und nahmen mit, was wir selbst investiert hatten, zum Beispiel die Dachkonstruktion. Mittlerweile ist das neue Grundstück in Bezug auf Regenfälle gesichert, das Haus und seine Galerie sind fertig, der Umzug ist fast abgeschlossen. Die Dachkonstruktion steht und es werden darunter seit dem Pfingstfest 2025 wieder Gottesdienste gefeiert. Bald soll daraus eine richtige Kapelle werden, mit schönen Fenstern und einem Bild, das die »Sagrada Familia« zeigt, unser Patronat. Denn so nennt sich die Gruppe, die den Rosenkranz weiterhin mittwochs in den Häusern betet. Nun müssen wir keine Miete mehr zahlen, alles ist eher schlicht und klein, aber es ist unser Eigentum. Und vielleicht sind wir gerade so eine Kirche im Geiste des Heiligen Franziskus? Einen Wunsch aber haben wir doch noch: Damit man uns inmitten der vielen evangelikalen Gotteshäuser als katholische Kirche wahrnehmen kann, soll ein einfacher, aber von Weitem sichtbarer Glockenturm errichtet werden. Und dazu soll es eine echte Glocke, die Qualität hat und schön klingt, geben. Wir hoffen auf viel Unterstützung, damit dieser Wunsch erfüllt wird. Noch im Rohbau trifft sich die Gemeinde mit ihrem Pfarrer Robert Hof in der neuen Kirche.

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