und verändernde Kraft. Somit waren genügend Gründe vorhanden, um das Projekt Eremitério in Teresina zu beginnen. Wie sieht nun ein solches Leben konkret aus? Im Augenblick leben drei Odensbrüder im Eremitério. Es sind Cícero Vieira da Silva ofm, Vinilson Sanches Fernandes ofm und ich. Seit Januar 2025 leben wir zusammen und versuchen, dieses franziskanische Erbe umzusetzen. Dabei ging unser Blick zunächst erstmal zurück auf das Lebenszeugnis des Franziskaners Adolf Temme. Er hat von 1995 bis zu seinem Tod im Jahr 2023 im Eremitério gelebt. Durch sein musikalisches, poetisches und katechetisches Talent hat er das Eremitério 28 Jahre lang geprägt. Er hat die Herzen der Menschen, die zu uns kamen, zutiefst angesprochen. Dadurch wurde unser Haus weit über Teresina hinaus bekannt. Von 2009 bis 2014 habe ich in Rom franziskanische Spiritualität studiert. Dieses Studium hat meine eigenen Gebets- und Berufungserfahrungen noch mehr gefestigt. Damit stehe ich nun mit meinen Brüdern vor dem Erbe des Eremitério. Wie versuchen wir das nun im Alltag einzubringen? Wir tun vor allem zwei Dinge: Wir pflegen selbst ein gutes und intensives Gebetsleben. Unsere persönlichen, gemeinschaftlichen und liturgischen Gebete sind sorgfältig und regelmäßig vorbereitet. Oft geschehen sie schon frühmorgens in aller Stille. Wir betreuen viele Gruppen auf diesem Weg. Es geht dabei um besinnliche Einkehrtage, längere Exerzitien für Einzelpersonen oder Gruppen aller Art. Dazu kommen die geistliche Orientierung für SeminaDer Autor Michael Kleinhans lebt seit 1984 in der nordostbrasilianischen Franziskanerprovinz von Bacabal. Er arbeitet dort als Hausoberer, Seelsorger und vor allem in der Ausbildung des einheimischen Ordensnachwuchses. Nach seinem in Rom erfolgreich abgeschlossenen Doktorat in franziskanischer Spiritualität gibt er heute Vorlesungen an der diözesanen Hochschule in Teresina, Piauí. Eucharistiefeier mit dem 2023 verstorbenen Brasilienmissionar Adolf Temme im Eremitério in Teresina risten, Ordensmitglieder, Priester und Diakone sowie die Spendung der Sakramente. Manchmal habe ich in der heutigen Zeit den Eindruck, dass all dies zur »spirituellen Alphabetisierung« hilft. Für uns ist diese Arbeit sehr erfüllend, und oft schreibt man ungewollt an der Biografie der Menschen, die uns begegnen, mit. Zuletzt ist da noch ein praktischer Teil unserer Arbeit zu nennen. Es geht dabei um Einkäufe, Betreuung der Gäste, Reparaturen im Haus, Kommunikation von Terminen und um Sicherheitsmaßnahmen in einem gefährlichen Stadtrandbezirk von Teresina. Franziskus hat eigens eine kleine Regel für die Einsiedeleien geschrieben. Darin sagt er, dass zwei Brüder sich dem Gebet widmen sollen, während zwei andere Brüder den praktischen Teil übernehmen können. Vielleicht trägt unser Lebensstil etwas von »moderner Mystik« in sich – und das 800 Jahre nach dem Tod des heiligen Franziskus. Wenn dem so ist, dann wäre es ein gelungener Beitrag zum christlichen Leben in Brasilien. Der Brasilienmissionar Michael Kleinhans beim Gebet in der Kapelle des Eremitério 33
RkJQdWJsaXNoZXIy NDQ1NDk=