Basilika Vierzehnheiligen | Nr. 65 / 33. Jhrg. 2026/2

5 4 Man nannte ihn den „zweiten Christus“, die „lebendige Ikone des Gekreuzigten“ und das „Christussymbol des Mittelalters“ – den hl. Wanderprediger Franz von Assisi, der zeitlebens in den Fußspuren Jesu unterwegs war und ihm immer ähnlicher wurde. Am 03.10.2026 feiern wir seinen 800. Todestag. Im Kreis seiner Gefährten hat Franz seine Todesstunde wie Jesus beim letzten Abendmahl zelebriert und nannte den Tod zärtlich seinen Bruder. Bis heute beeindruckt sein vorbildliches Leben. Sein gelebter Glaube und seine Spiritualität beweisen seine emotionale Nähe zu Jesus und geben immer noch aktuelle Impulse für heute: Seine Tierliebe, die Vogelpredigt und sein Sonnengesang appellieren an uns, in allen Geschöpfen unsere Geschwister zu sehen und verantwortlich mit der uns anvertrauten Schöpfung umzugehen. Die Sorge für die Aussätzigen seiner Zeit mahnt uns, die Menschen am Rande unserer Gesellschaft nicht aus dem Blick zu verlieren und ihnen tatkräftig zu helfen. Die Begegnung mit dem Sultan Melekel-Kamil 1219 in Damiette (Ägypten) ermutigt uns, vorurteilsfrei anderen Religionen zu begegnen und uns für den Frieden einzusetzen. Die Krippenfeier 1223 in Greccio bei Rieti (Latium) inspiriert bis heute, die P. Rudolf Lunkenbein SDB – Sein Leben bewegte die Welt Die Indianer in Mato Grosso in Brasilien gaben ihm den Namen „Häuptling Goldfisch“, weil er einst seinem Haustier die Freiheit geschenkt hatte, und die Indianer genau diesen Wesenszug an ihm schätzten und spürten, wie er auch ihnen ein Leben in Freiheit und Frieden ermöglichte. Der am 1. April 1939 in Döringstadt bei Ebensfeld geborene Ordenspriester wollte schon in der 4. Klasse Missionar werden, doch reichte das Geld der Eltern nicht für eine höhere Schulausbildung ihres Sohnes in Bamberg bei den Salesianern, deren Missionszeitung er mit Interesse gelesen hatte. Der Ortspfarrer erreichte, dass Rudolf als 14-jähriger bei den Salesianern in Buxheim bei Memmingen ins Internat und Gymnasium aufgenommen wurde. Nach dem Abitur entschloss sich Rudolf, sofort in den Orden der Salesianer einzutreten, und um seinen Lebenstraum von der Mission möglichst rasch umzusetzen, machte er sein Noviziat gleich in Brasilien. Sein Theologiestudium absol- vierte er nach einem zweijährigen Praktikum bei den Bororo-Indianern in Meruri ab 1965 in Benediktbeuern, wo er Ende Juni 1969 zum Priester geweiht wurde. Sein Primizspruch, der ihm zum Programm werden sollte, lautete: „Ich bin gekommen, um zu dienen und mein Leben hinzugeben für viele“ (Mk 10,45). Sein sehnlichster Wunsch, nach seiner Heimatprimiz möglichst bald wieder nach Brasilien zurückzukehren, wurde erfüllt. Schnell hatte er die Sprache des Landes und der Indianer erlernt, die er in der Missionsstation Meruri gegen die brutale Ausbeutung der weißen Großgrundbesitzer in ihrem Überlebenskampf unterstützte. Weiße Siedler ermordeten ihn am 15. Juli 1976 – also vor genau 50 Jahren – weil er sich unerschrocken für die Landrechte der Indios und die Erhaltung ihres Indianerreservats eingesetzt hatte. Das Gymnasium in Buxheim und die Grundschule in Ebensfeld wurden inzwischen nach ihm benannt. Sein Leben bewegte die Welt. 800 Jahre Franz von Assisi (1182-1226) Menschwerdung Gottes sichtbar zu machen und Weihnachten täglich neu zu erleben. Die Stigmatisation 1224, bei der Franz auf dem Berg La Verna in der Toskana die Wundmale Jesu am eigenen Leib eingeprägt wurden, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Passion Christi und die Kreuzesnachfolge. Papst Franziskus hat sich 2013 nach diesem Heiligen benannt und in seinem Pontifikat durch viele Gesten gezeigt, dass sein Name sehr wohl Programm sein kann. Das besondere Charisma des hl. Franz von Assisi bestand eben darin, an Jesus zu erinnern und in dessen Spuren unterwegs zu sein.

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