Im Land des Herrn | 80. Jahrgang | 2026-1

16 1/2026 diese Organisation. Seit beinahe zehn Jahren steht beziehungsweise stand sie unter der Leitung des inzwischen verstorbenen Architekten Osama Hamdan und der Kunsthistorikerin Carla Benelli. 2014 vertraute ihnen der damalige Kustos und jetzige Patriarch Pierbattista Pizzaballa OFM die Sanierung der archäologischen Überreste des Heiligtums an dem Ort an, an dem drei Kirchen zwischen dem Byzantinischen Reich und der Zeit der Kreuzzüge aufeinander folgten. „Der Standort war verwahrlost und in schlechtem Zustand“, erzählt Carla Benelli. Osama Hamdan, der mittlerweile verstorbene Mitarbeiter aus Jericho, erstellte einen Masterplan, der den Rundgang durch diese Heiligen Stätte, zu der auch das Grab des Lazarus gehört, neu konzipierte. „Das Problem ist, dass Reisegruppen in Betanien einen Halt nur einlegen, wenn sie zum Toten Meer fahren oder von dort zurückkommen. Sie bleiben eine Viertelstunde“, seufzt Br. Eléazar Wronski. „Wir wollten einen Rundgang schaffen, der ihnen erlauben würde, die Geschichte des Ortes kennenzulernen“, sagt Carla. Osama habe Wert darauf gelegt, dass die Bevölkerung am Sanierungsprozess aktiv beteiligt wird. Für ihn war das langfristige Überleben der Heiligen Stätte nur so zu gewährleisten. ATS hat also mit der finanziellen Unterstützung der „Italienischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit“ (AICS) einen Teil der Ruinen geräumt und saniert, schon 2015 Sommercamps für Archäologie organisiert und 2024 in Kooperation mit der Universität Palermo einen Bachelorstudiengang in Denkmalpflege an der benachbarten Universität von Abu Dis eingerichtet. Zudem hat „Pro Terra Sancta“ mit dem Bau eines „Saales des Kulturerbes“ begonnen, um die Pilger in einem modernen Multimediaraum zu empfangen, und Besichtigungen für Jugend- und Kindergruppen organisiert… „Unser Ziel ist es nicht, Geld zu verteilen, sondern die Menschen in Zukunft dazu zu befähigen, ihr eigenes Erbe in die Hand zu nehmen“, betont Carla Benelli. Multikulturelles Zusammenleben Das Heiligtum liegt an einem Hang. Es ist inzwischen von der dichten Stadtbebauung von Al-Ezarije umgeben (siehe Skizze) und so eingeengt, dass der unmittelbare „Nachbar“, die Moschee, und die schmale Gasse, die sie trennt, als Fluchtweg für Gruppen von Jugendlichen dient, wenn es zu Zusammenstößen mit der israelischen Armee kommt. „Das Zusammenleben ist nicht immer einfach“, bedauert Br. Eléazar. Um der Botschaft von Freundschaft und Gastfreundschaft von Betanien zu gedenken, veranstaltet Pro Terra Sancta jedes Jahr ein Iftar (muslimisches Fastenbrechen) mit lokalen Würdenträgern. „Für sie ist es immer eine Herausforderung, etwas Neues zu akzeptieren“, betont Jawad, der bei der ATS in Betanien angestellt ist. „Aber nach zehn Jahren haben die Leute von Betanien verstanden, dass die Präsenz von ATS und ihre Tätigkeit nur der Bewahrung ihres Kulturerbes und ihrer Unterstützung dienen.“ Die beiden Frauen bei ihrer Arbeit © Cécile Lemoine/TSM IM LAND DES HERRN Eine junge Frau, ausgebildet im Mosaikzentrum des ATS Jericho, arbeitet an den Mosaiken vor der Kirche © Marinella Bandini/CTS

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