Im Land des Herrn | 80. Jahrgang | 2026-1

30 1/2026 IM LAND DES HERRN Die Oberburg verfügt über einen Bergfried mit neuerem Wohnhaus und die daneben gelegene Matthias-Kapelle. Wenn es auch keine gesicherte Nachricht über ihre Entstehung gibt, so wird sie übereinstimmend in die erste Hälfte des 13. Jh. s datiert, nach einer im Jahre 1894 angebrachten Inschrift soll sie durch Graf Heinrich II. Crucesignatus von Isenburg-Cobern 1220–1230 erbaut worden sein. Dieser Graf Heinrich nahm am „Kreuzzug von Damiette“ (1217–1221) teil, der gleiche Kreuzzug in dessen Gefolge auch der Hl. Franziskus zum Sultan Al-Kamil gelangte. Auf der Rückkehr von diesem (erfolglosen) Kreuzzug gelangte das Haupt des Hl. Matthias wohl in die Hände der Herren von Kobern, die daraufhin die Matthiaskapelle erbauten. Wenn auch Unklarheit herrscht, wie genau das geschehen ist, so erfahren wir doch, dass das Haupt des Apostels erst über 100 Jahre später Besitz des Bistums Trier wird und erst 1927 aus dem Trierer Domschatz in die Matthiasabtei Trier überbracht wird – auf Anregung von Nuntius Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII. Der Einfluss von Architektur des Heiligen Landes ist unübersichtlich, auch wenn die Kapelle nicht als Heilig-Grab-Kapelle konzipiert wurde; wenigstens gibt es darüber keine Nachricht. Der sechseckige Bau erinnert dazu noch mehr der Architektur des Felsendomes: auch dort ist der Mittelpunkt der Anlage „leer“, wenn man vom Stein im Felsendom absieht. Auch die Kirche der Himmelfahrt Christi hatte die gleiche Struktur. Wahrscheinlich haben sich auch die Kreuzfahrer an Skizzen und Darstellungen in Büchern orientiert – zumal die meisten Kreuzfahrer des „Kreuzzuges von Damiette“ gar nicht bis nach Jerusalem gekommen sind. Mit dem Verlust der wertvollen Reliquie erlischt auch das überregionale Interesse an der Kapelle, trotzdem blieb sie ein Wallfahrtsort. Das Patronatsrecht erhielt das St. Kastor-Stift in Koblenz, am Ort versieht ein Eremit, der im zerfallenden Bergfried haust, den Wächterdienst. Für kurze Zeit gelangte die Kapelle in das Eigentum der Pfarrgemeinde Kobern, 1819 wurde das Gebäude an den preußischen Staat verkauft. 1836 und dann wieder 1892 werden umfangreiche Ausbesserungen der Kapelle vorgenommen. Wie im Äußeren der Kapelle, setzt sich im Inneren ein sechseckiger Zentralraum fort, wieder sind es sechs mehrteilige Säulen, die den inneren Kranz tragen, der in einem hohen Tambour endet. Die ganze Anlage ist symetrisch und macht einen edlen, ausgeglichenen Eindruck. Das wird unterstützt durch die Farbgebung: rot und gold/ocker beherrschen den Raumeindruck und werden durch die mehrteiligen, eleganten schwarzen Säulen abgewechselt. Seit der Inneres der Kapelle

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