Im Land des Herrn | 80. Jahrgang | 2026-1

IM LAND DES HERRN 36 1/2026 dem 15. Jh. Die in Betlehem sind mindestens vier Jahrhunderte älter. In diesem langen Zeitraum hat die Orgel enorme Wandlungen durchgemacht: Materialien, Formen, Techniken, Konstruktion … Alles hat sich verändert. Die Pfeifen von Betlehem zeigen uns eine archaische Phase, die sich völlig von dem unterscheidet, was wir kennen. Wurden neben der Orgel noch andere Objekte gefunden? Ja, neben den Pfeifen wurde ein Glockenspiel mit elf gestimmten Glocken entdeckt. Es ist das einzige vollständig erhaltene Exemplar dieses mittelalterlichen Instruments. Orgeln und Glocken werden in mittelalterlichen Miniaturen oft zusammen dargestellt. Wir untersuchen die Möglichkeit, dass sie gemeinsam gespielt wurden, und planen außerdem eine Nachbildung der Glocken. Neben diesen Instrumenten wurden auch wertvolle liturgische Gegenstände gefunden, wie Kelche, ein Bischofsstab, Kandelaber … All diese Elemente helfen uns, den religiösen und kulturellen Kontext der damaligen Zeit zu rekonstruieren. Wie geht es mit dem Projekt weiter? Wir haben ein ambitioniertes Programm. Wir möchten die gesamte Orgel mit ihren 342 Pfeifen und den Glocken rekonstruieren. Wir werden mindestens fünf Versionen des Instruments bauen und diese Kulturzentren und Universitäten in Europa schenken, wo sie für Konzerte, Forschung und Bildungszwecke eingesetzt werden. Eine Replik wird im Terra Sancta Museum in Jerusalem ausgestellt. Darüber hinaus möchten wir die damalige Musik erforschen und die Akustik mittelalterlicher Kirchen digital rekonstruieren, um das ursprüngliche Klangerlebnis in seinem architektonischen Kontext wiederzubeleben. Dies ist ein interdisziplinäres Projekt, an dem Musikwissenschaftler, Historiker, Akustiker, Architekten und Liturgiewissenschaftler beteiligt sind. Was bedeutet es Ihnen persönlich, ein Instrument, das fast tausend Jahre lang verstummt war, wieder zum Klingen gebracht zu haben? Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Es ist eine Ehre, aber auch eine große Verantwortung. Als ich diesen Klang zum ersten Mal hörte, fühlte ich mich als Teil von etwas Größerem. Die UNESCO hat die Orgelmusik kürzlich als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Die Geburtsbasilika ist Weltkulturerbe. Unsere Arbeit zielt darauf ab, zwei Erkenntnisse zu vereinen und einer Erinnerung, die uns allen gehört, Ausdruck zu verleihen. Wir hoffen, dass diese Entdeckung dazu beitragen wird, Brücken zwischen Kulturen und Generationen durch die Schönheit und Kraft der Musik zu schlagen. Aus „Terre sainte“ 2025 Leuchter aus dem „Betlehem-Schatz“ im Museum der Flagellatio

RkJQdWJsaXNoZXIy NDQ1NDk=