Im Land des Herrn | 80. Jahrgang | 2026-3

3/2026 13 Dadurch hatte er den „Krieg Jahwes“ nach den Grundsätzen normaler, menschlicher Kriege geführt und das galt als eine „Entweihung des Heiligen“. – Auch wenn wir nicht mehr nachvollziehen können, was hinter solchem Denken steht und uns die „Heiligkeit“ eines Gottes, der solche „Heiligen Kriege“ anordnet, zutiefst erschreckt: im Rahmen des damaligen Gottes- und Weltbildes (auch nichtjüdische Völker kannten diese Art der Kriegsführung!) hatte Saul einen Frevel begangen, der absolut unverzeihlich war. – Nach seinen eigenen Worten „reute es Gott, Saul zum König gemacht zu haben“, weil Saul Gottes Befehle nicht korrekt ausgeführt hatte. Samuel, der Saul mochte, war über Gottes Zorn zutiefst betroffen. Er schrie die ganze Nacht zu ihm, um Sauls Verwerfung abzuwenden. Doch am nächsten Tag musste er ihm die bitteren Worte sagen: „Gehorsam ist besser als Opfer. Widerspenstigkeit ist ebenso schlimm wie Götzendienst. Weil du das Wort des Herrn missachtet hast, verwirft dich Gott als König!“ (vgl. 1 Sam 15,22 f.). – Saul, der zu jeder Art der Buße bereit war, hatte vor Gott keine Chance mehr. – Von nun an trennten sich die Weg Samuels und Sauls. Zeit seines Lebens sah Samuel seinen Günstling Saul nie wieder. In seinem Herzen aber war er tief betrübt darüber, dass Gott den ersten König Israels verworfen hatte. Die Salbung Davids Gott aber wollte den alten Samuel unbedingt aus seiner Trauer reißen. So befahl er ihm, nach Betlehem zu gehen und einen der Söhne Isais zum König zu salben. – Für einen Christen, der regelmäßig die Sonntagsmesse besucht, gehört die Geschichte dieser Salbung zu den geläufigen liturgischen Texten (vgl. 4. Fastensonntag, Lesejahr A, 1. Lesung). Der geschilderte Vorgang ist anschaulich und einprägsam, denn er bestätigt eine Überzeugung, die es in vielen Volkserzählungen gibt: Der Kleine, der Jüngste, der Unscheinbare, mit dem niemand gerechnet hat, ist der Erwählte. – Der Mensch schätzt in der Regel das Prächtige, das Stattliche. Und so urteilt auch Samuel zunächst, als er den erstgeborenen Isai-Sohn Eliab vor sich sieht: Dieser kräftige und tüchtige junge Mann muss es sein. Ihn werde ich jetzt zum König salben. Aber eine innere Stimme (die Stimme Gottes) wehrt ab: Er ist es nicht! Und siebenmal hintereinander muss Samuel die gleiche Erfahrung machen, die der Erzähler in den Satz kleidet: „Gott sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, Gott aber sieht das Herz“ (1 Sam 16,7). „Was vor den Augen ist“, pflegen wir den Augenschein zu nennen, und wir sagen von ihm, dass er trügen kann. Was sich im Herzen eines Menschen verbirgt und was man nur wieder mit den Augen des Herzens wahrnehmen kann, das ist das Wesen, der eigentliche Wert einer Person. Und nur dieser zählt vor Gott. – In unserem Fall ist es David, der Jüngste, den man gar nicht David als der im Text beschriebene kräftige junge Mann, Bronze-Replik der Figur des Künstlers Verrocchio, Geschenk der Stadt Florenz, Davidszitadelle Jerusalem (im Hintergrund der Turm der Kirche St. Salvator) Samuel Samuel

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