Im Land des Herrn | 80. Jahrgang | 2026-3

28 3/2026 IM LAND DES HERRN Felskulissen und bilden so mit der Rückwand die geschlossene Felsenhöhle …“ Hinter der Grabbank mit der ausdrucksstarken Figur des Leichnams Christi ist eine Figur der Schmerzensmutter angebracht, die ihren Blick auf ihren toten Sohn wirft. Gottvater und die Taube des Heiligen Geistes über der Muttergottes machen die Gruppe zu einem sogenannten „Gnadenstuhl“. Der stille, verhaltene Schmerz im Angesicht der Muttergottes lässt an das Bibelwort denken: „Ihr alle, die ihr des Weges zieht, schaut doch und seht, ob ein Schmerz ist wie mein Schmerz …“ (Klagelieder 1,12). Zusätzlich sind in der Grabeshöhle Haken zur Anbringung der Osterkugeln angebracht, denn in den Kartagen ist die sonst verschlossene Kapelle geöffnet und reich geschmückt. Diese Kugeln, gefüllt mit gefärbten Wasser und durch dahinterstehende Lichter erhellt, strömen eine spezielle, mystische Stimmung aus und werden besonders im süddeutschen und Tiroler Raum an den Kar- und Ostertagen verwendet. Ein prominenter Tiroler Heiligland-Pilger: Oswald von Wolkenstein Von Sterzing ist es nicht weit nach Brixen. Im dortigen Kloster Neustift, dem Wirkungsort von Erwin Adalbert Steinmair, vermutet man das Grab von Oswald von Wolkenstein (um 1377– 1445), einem bekannten Poeten und Politiker. Wolkenstein besuchte das Heilige Land in den Jahren 1408–1410 und seine Erlebnisse verarbeitete er später in seinen Liedern. Oswald von Wolkenstein wusste schon vorher wie (lebens-)gefährlich eine Pilgerreise sein konnte. Aus diesem Grunde gab er 1408 einen Gedenkstein in Auftrag, der ihn als Kreuzritter mit Pilgerbart zeigt. Dieser Gedenkstein ist in Brixen zwischen Dom und der Pfarrkirche aufgestellt. Nachdem er aus dem Heiligen Land zurückkam, erwarb er wieder im Kloster Neustift ein Haus. In der Stiftskirche wurde er auch begraben, aber sein Grab geriet in Vergessenheit, bis 1973 im nördlichen Seitenschiff der Stiftskirche eine Grablege mit Knochenresten gefunden wurde, die nach jahrelangen Untersuchungen Oswald von Wolkenstein zugeordnet werden konnte. Wolkensteins Gebeine wurden 1989 wieder dort beigesetzt. Ein Auszug eines Liedtextes Wolkensteins soll hier angefügt werden. Im Gewand eines fiktiven Gesprächs einer Dame und eines Pilgers heißt es hier: „Nach Syrien richtet sich mein Sinn, auf dein Geheiß will ich am Heilgen Grabe beten, will täglich trachten, daß du mir gewogen bist“. Zitierte Literatur Erwin Adalbert Steinmair: Heiliggrab-Denkmäler in Südtirol, Selbstverlag des Autors, Brixen 1993 Gedenkstein des Oswald von Wolkenstein

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