6 3/2026 nicht zu hören.“ Die in sich versunkene Beterin merkte nicht, dass sie beobachtet wurde. Eli, der Priester des Heiligtums, saß auf seinem Stuhl an den Türpfosten des Tempels und schaute aufmerksam auf die fremde Frau. Weil sie unverständliche Worte murmelte, glaubte der Priester, sie habe zu viel getrunken (was ja noch heute gelegentlich unter Wallfahrern vorkommt) und sagte etwas unwirsch: „Wie lange willst du dich noch so aufführen? Geh nach Hause und sieh zu, dass du deinen Weinrausch los wirst“ (vgl. 1 Sam 1,14). Hanna, die sich ja nichts vorzuwerfen hatte, erwiderte selbstbewusst: „Mein Herr, du beschuldigst mich zu Unrecht. Ich habe weder Wein noch Bier getrunken, ich habe nur vor Gott mein Herz ausgeschüttet. Aus großem Kummer habe ich so lange geredet!“ Eli hatte mit der unglücklichen Frau sofort Mitleid und tröstete sie: „Geh in Frieden. Der Gott Israels wird dir die Bitten erfüllen, die du heute an ihn gerichtet hast“ (vgl. 1 Sam 1,17). – Und Hanna verließ das Heiligtum und hatte kein trauriges Gesicht mehr. Bald darauf wurde sie schwanger und gebar einen Sohn, den sie Samuel nannte. Der Musterknabe im Heiligtum Nachdem der kleine Samuel entwöhnt war (Kinder wurden damals gelegentlich bis zu drei Jahren gestillt), brachte Hanna ihn nach Schilo und übergab ihn mit einem stattlichen Opfer in Elis Obhut. Wie schon erwähnt, war Schilo der Ort, an dem sich die Bundeslade befand. Den Dienst an diesem angesehenen Heiligtum versahen Eli und seine beiden Söhne Hofni und Pinhas. – Diese Priester-Söhne waren keine Zierde ihres Standes. Sie waren Taugenichtse, die sich an den Almosen der Pilger bereicherten und die besten Stücke vom Opferfleisch für sich beanspruchten. So entweihten sie jeden Tag das heilige Amt, das ihnen anvertraut war. – Auf diesem dunklen Hintergrund hob sich um so leuchtender das Bild des IM LAND DES HERRN Besucherzentrum der Siedlung Schilo: in Anlehnung zum biblischen Text wird reichlich Wein angeboten, der in der Umgebung angebaut wird
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