Im Land des Herrn | 80. Jahrgang | 2026-3

3/2026 7 jungen, unschuldigen Samuel ab, der mit einem leinenen Efod (einem liturgischen Gewand) bekleidet wie ein kleiner Prinz aussah und mit Eifer und Freude seine Ministranten-Dienste versah. Jedes Jahr, wenn seine Eltern zur Wallfahrt kamen, brachte ihm seine Mutter ein neues Obergewand mit, da er aus dem alten herausgewachsen war. Eli segnete Hanna und Elkana und wünschte ihnen für den Knaben, den sie Gott übereignet hatten, weitere Nachkommen. Und tatsächlich wurde die einst unfruchtbare Hanna mit fünf weiteren Kindern gesegnet. Ein Vorausbild Jesu Über die frühen Jahre Samuels sagt der biblische Text zusammenfassend: „Der Knabe Samuel wuchs heran und gewann immer mehr an Gunst beim Herrn und auch bei den Menschen“ (1 Sam 2,26). – Bei diesem Satz fühlt sich der christliche Leser an die Aussage des Lukas-Evangeliums (am Schluss der Episode vom „zwölfjährigen Jesus im Tempel“) erinnert: „Jesus aber wuchs heran und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen“ (Lk 2,52). Mit anderen Worten: Für Lukas war Samuel, der von Kindheit an im Dienst Gottes stand, ein Vorausbild Jesu Christi, der sich ebenfalls im Tempel zu Hause fühlte und der auch schon im frühen Alter „dem Herrn geweiht worden war“. – Und Lukas zögert nicht, auch Hanna in seine „Theologie der Vorausbilder“ einzubeziehen. Von Hanna war ein Danklied überliefert, das sie nach Samuels „Weihe“ gedichtet und gebetet hatte (1 Sam 2,1 ff.). Dieses Danklied ist in das „Magnificat“ eingegangen, das die Gottesmutter Maria beim Besuch ihrer Base Elisabeth anstimmte (Lk 1,46 ff.). – Größeres kann man von einem Menschen wohl nicht sagen als das, was hier von Samuel und seiner Mutter gesagt wird: Dass sie ihrer Umwelt eine Ahnung vermittelt haben von dem, was der Menschheit rund 1000 Jahre später in Jesus und Maria geschenkt werden sollte. Johann Spiegler, Geburt des Propheten Samuel © Bayer. Nationalmuseum München, Foto Karl-Michael Vetters Samuel Samuel Szene im Tempel von Schilo, Hauptportal Münster Villingen

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