Franziskaner - Herbst 2025

3 FRANZISKANER 3|2025 FAMILIE © SKYNESHER| ISTOCK.COM Was ist der Mensch? »Seid Menschen!« – unermüdlich hat Margot Friedländer diesen Satz gesagt. Eine Frau, die die dunkelste Zeit unserer Geschichte überlebt hat. Ein Satz, der einfach klingt – und doch viel verlangt. Was ist der Mensch? Für Immanuel Kant war das die größte aller Fragen. Die Bibel gibt eine erstaunlich klare Antwort: Wir sind Bild Gottes. Nicht weil wir stark oder klug sind, sondern weil Gott uns so geschaffen hat. Unvollkommen zwar – aber fähig zu lieben, zu hoffen, zu vergeben. Franz von Assisi sieht den Menschen als Pilger und Fremdling. Nie ganz angekommen und immer unterwegs. Fragend, tastend, staunend. Nicht Herr über alles, sondern Bruder bzw. Schwester unter Mitgeschöpfen – Teil eines großen Ganzen, das uns anvertraut ist. Dieses Bild wirkt in einer Welt, in der die Stärken von künstlicher Intelligenz propagiert werden, wie ein Gegenentwurf. Die KI-Programme können viel: schreiben, rechnen und sogar entscheiden. Faszinierend, keine Frage. Aber empfinden diese Programme Dankbarkeit? Freuen sie sich über ein Wiedersehen? Können sie trauern oder verzeihen? Wohl kaum. Menschsein kann man nicht programmieren. Menschsein heißt: Herz zeigen. Gewissen haben. In Beziehung leben. Es heißt, einander zu brauchen – trotz aller Brüche. Es heißt, Fehler zu machen und trotzdem wieder aufzustehen – und anderen ihre Fehler zu verzeihen. Menschsein heißt zu lachen, zu weinen, zu hoffen. Franziskus lädt uns ein, genau darin unsere Würde zu erkennen: als Geschenk und Aufgabe. Bild Gottes zu sein heißt, sich berühren zu lassen – vom Leben, vom Leid der anderen, von Gottes leiser Stimme in uns. »Seid Menschen!« – dieser Satz ist mehr als ein ehrwürdiges Vermächtnis. Er ist ein Auftrag für heute: Fehler und Schwächen einzugestehen, ohne zu verzweifeln. Mutig zu sein, wenn es um die Verteidigung der Menschenwürde geht. Und hoffend und vertrauend miteinander im Gespräch zu bleiben. Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre, einen schönen Herbst und viele echte Begegnungen von Mensch zu Mensch! Br. Markus Fuhrmann OFM (Provinzialminister)

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