Franziskaner - Frühling 2025

3 FRANZISKANER 1|2026 EGLI-FIGUREN © MARKUS FUHRMANN Die Kraft einer Umarmung – von Umkehr und Versöhnung Eine Umarmung kann alles verändern. Sie kann Streit beenden, Schuld relativieren, Nähe neu entstehen lassen. Und manchmal sagt sie mehr als viele Worte. Ein solches Bild begleitet mich bis heute aus meiner Zeit als Kaplan. In der Fastenzeit stand in der Erstkommunionvorbereitung jedes Jahr ein Thementag zur Beichtvorbereitung an: »Umkehr und Versöhnung«. Höhepunkt war die Darstellung der biblischen Erzählung vom barmherzigen Vater und vom verlorenen Sohn. Mit Egli-Figuren und vielen Requisiten wurde der Weg des jüngeren Sohnes im Pfarrsaal sichtbar: Der Aufbruch aus dem Elternhaus – endlich den eigenen Weg gehen. Das Leben in der Fremde – leidenschaftlich, unbedacht, grenzenlos. Die Krise – Hungersnot, Schuldgefühle, Einsamkeit, Scham. Die Einsicht – So kann es nicht weitergehen. Ich kehre um. Die Umarmung von Vater und Sohn – ein kraftvolles Bild für Versöhnung. Dieses Bild stellt mir bis heute eine Frage: Wie oft habe ich selbst eine solche versöhnende Umarmung erlebt oder miterlebt – in der Familie, im Freundeskreis oder darüber hinaus? Mir fallen nur wenige Momente ein. Vielleicht gerade deshalb berührt mich diese Erzählung immer wieder neu. Franziskus von Assisi wusste, dass Versöhnung Mut braucht. Er ermutigte seine Brüder, einander ihre Not anzuvertrauen. Wo Menschen sich nicht verstecken müssen, kann Umkehr wachsen und ein neuer Anfang möglich werden. Doch was im persönlichen Miteinander schon schwer genug ist, erscheint angesichts gesellschaftlicher Spannungen und politischer Konflikte unserer Zeit oft noch anspruchsvoller. Wie kann Versöhnung dennoch gelingen? Die Beiträge dieser Ausgabe nähern sich dieser Frage aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre, einen lebendig-frohen Frühling – und immer wieder Momente, in denen Versöhnung spürbar wird. Br. Markus Fuhrmann OFM (Provinzialminister)

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