3 FRANZISKANER 2|2026 Hinterm Horizont geht’s weiter Der Umgang mit künstlicher Intelligenz Ein lauer Sommerabend. Einige franziskanische Schwestern und Brüder sitzen zusammen, lachen, sammeln Ideen. Sie planen eine Veranstaltung unter dem Leitwort: »Hinterm Horizont geht’s weiter«. Zu Beginn soll es einen Poetry Slam geben. Irgendwann taucht die neugierige Frage auf: »Was würde eigentlich eine KI daraus machen?« Also wird ein Chatbot geöffnet und um einen Text gebeten. Das Ergebnis verblüfft zunächst alle: erstaunlich schnell, sprachlich flüssig, thematisch treffend. Einige Formulierungen wirken sogar originell. Und doch klingt manches merkwürdig fremd. Bilder passen nicht zusammen, der rote Faden verliert sich. Vor allem aber fehlt dem Text etwas Entscheidendes: gelebtes Leben. Er wirkt wie ein kunstvoll zusammengesetztes Echo aus unzähligen Stimmen des Netzes. Bei der Veranstaltung trägt schließlich eine Schwester ihren eigenen Text vor. Nicht perfekt gefeilt, aber echt. Man spürt ihre Erfahrungen, ihre Hoffnung, ihren Glauben zwischen den Zeilen. Plötzlich wird der Unterschied hörbar: Ihre Worte haben Seele. Künstliche Intelligenz fasziniert. Sie erleichtert Arbeit, bündelt Wissen, unterstützt kreative Prozesse und eröffnet Möglichkeiten, die vor wenigen Jahren kaum denkbar waren. Zugleich wirft sie Fragen auf, die über die rein technische Entwicklung hinausgehen: Was geschieht mit dem Menschen, wenn er sich zu sehr auf Maschinen verlässt? Was wird aus eigener Kreativität, aus geduldigem Denken und dem Ringen um Wahrheit? Die Beiträge dieser Ausgabe laden ein, Chancen und Grenzen der KI genauer in den Blick zu nehmen – und neu zu entdecken, was auch künftig kein Algorithmus ersetzen kann: menschliche Nähe, echtes Zuhören, Kreativität und Verantwortung. Denn »hinterm Horizont« wartet nicht nur technische Entwicklung, sondern die lebenslange Aufgabe, Mensch zu bleiben. Eine inspirierende Lektüre und viele laue Sommerabende wünscht Ihnen Br. Markus Fuhrmann OFM (Provinzialminister)
RkJQdWJsaXNoZXIy NDQ1NDk=