Die franziskanische Universität im bolivianischen Ort Carmen Pampa – Unidad Académica Campesina – bietet jungen Menschen in einer wirtschaftlich schwach entwickelten Gegend die Möglichkeit, zu studieren. Wenn es diese Bildungseinrichtung nicht gäbe, müssten die jungen Frauen und Männer zum Studium in die großen Städte. Manche können sich die damit verbundenen Kosten nicht leisten. Andere möchten in der Nähe ihrer Familien bleiben, oder die Angehörigen wollen sie vor den alltäglichen Gefahren einer Großstadt bewahren. Universität »in der Pampa« Franziskaner bieten Alternative zur Landflucht Die Universität Carmen Pampa (UAC-CP) liegt abgelegen in der Provinz Nor Yungas im Departamento La Paz in Bolivien. Als sie 1993 gegründet wurde, war sie mehr als nur eine neue Bildungseinrichtung – sie war eine Antwort auf einen eklatanten Mangel: In der gesamten Region fehlten Möglichkeiten für eine weiterführende technische oder akademische Ausbildung. Die Menschen lebten überwiegend von Landwirtschaft und Viehzucht. Perspektiven über die eigene Gemeinde hinaus waren selten. In den 1990er Jahren begann sich die Bildungslandschaft im ländlichen Bolivien langsam zu verändern. Immer mehr weiterführende Schulen entstanden. Dazu gehörte auch das Internatskolleg San Francisco Xavier in Carmen Pampa, gegründet von Franziskanern aus den USA. In der Folge gab es mehr junge Menschen mit Schulabschluss – doch der nächste Schritt blieb für die meisten unerreichbar. Ein Studium war teuer und nur in den weit entfernten Großstädten möglich. Wer es dennoch wagte, musste nicht nur Studiengebühren bezahlen, sondern auch für Unterkunft, Verpflegung und Transport aufkommen – und sich zugleich in einer fremden, oft überfordernden Umgebung zurechtfinden. Viele hielten diesem Druck nicht stand. Nach wenigen Monaten oder spätestens einem Jahr kehrten sie zurück. Die Mehrheit blieb gleich in ihren Dörfern – und führte das Leben weiter, das schon ihre Eltern und Großeltern geprägt hatte. Die Gründung der UAC-CP geht auf die Initiative der Franziskanerin Schwester Damon Nolan MFIC zurück. Die Idee wurde von einem Netzwerk engagierter Unterstützer und dem damaligen Bischof von Coroico, Thomas Manning, getragen. Mit der UAC-CP öffnete sich erstmals eine Tür: Junge Menschen aus der Region erhielten die reale Chance auf ein Hochschulstudium, ohne ihre Heimat verlassen zu müssen. Das Einzugsgebiet der Universität erstreckt sich über fünf Provinzen auf einer Fläche von mehr als 31.000 Quadratkilometern – eine Region, in der Bildungswege lange Zeit abrupt endeten. In den Anfangsjahren kamen die Studierenden überwiegend aus genau diesen Gebieten. Und die Wirkung sprach sich herum. Mangels Alternativen und dank ihres wachsenden Ansehens entwickelte sich die Universität rasch zu einem Bildungszentrum mit überregionaler Ausstrahlung. Sie bietet heute nicht nur Studienplätze, sondern auch Wohnmöglichkeiten und vor allem eines: eine universitäre Ausbildung, die Theorie und Praxis eng miteinander verzahnt. Das Studienangebot ist breit gefächert: Agraringenieurwesen, Veterinärmedizin und Tierzucht, Krankenpflege und Pädagogik können auf Bachelor-Niveau studiert werden. Hinzu kommt ein Studium in Buchhaltung auf höherem technischen Niveau. Ergänzt wird das Angebot durch TEXT: Andrés Pardo Asllani | FOTOS: UAC Carmen Pampa »Ich komme aus einer abgelegenen Gemeinde im Departamento Beni, wo es nur eine Grundschule gibt. Für die weiterführende Schule musste ich täglich reisen. Ich studiere Krankenpflege, um mich weiterzuentwickeln, meiner Mutter zu helfen und Menschen in ländlichen Regionen medizinisch zu unterstützen.« Amira Estrada Mocho 22
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