Franziskaner Mission 2 | 2026

Seit vielen Jahren besteht eine enge Partnerschaft zwischen der Hildegardisschule Münster und der Frei-Alberto-Schule in São Luís, Brasilien. Diese Verbindung ist weit mehr als ein Austausch zwischen zwei Schulen – sie ist gelebte Gemeinschaft über Kontinente hinweg. Wir, drei Lehrkräfte der Hildegardisschule, haben unsere Partnerschule für zwei Wochen im April 2026 besucht und durften den Schulalltag kennenlernen. Die Frei-Alberto-Schule liegt im Bundesstaat Maranhão und wird aktuell von 376 Schülerinnen und Schülern besucht, darunter etwa 30 Kinder mit Beeinträchtigungen. Das Team besteht aus 38 Lehrkräften, einer Schulsozialarbeiterin, einer Therapeutin sowie weiteren Mitarbeitenden, die gemeinsam den Schulalltag gestalten. Schon beim ersten Betreten der Schule wird deutlich: Hier steht der Mensch im Mittelpunkt. Wie eine große Familie Besonders beeindruckt hat uns das familiäre Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schülerschaft. Die Schule wirkt wie eine große Gemeinschaft, fast wie eine Familie. Überall begegnet man Freundlichkeit, Offenheit und einem ehrlichen Interesse am Gegenüber. Ein Lächeln gehört hier zum Alltag – und es ist ansteckend. Gleichzeitig ist eine bemerkenswerte Gelassenheit spürbar. Trotz herausfordernder Bedingungen strahlen viele Menschen eine Ruhe aus, die sich unmittelbar überträgt. Der Fokus liegt nicht nur auf Leistung, sondern vor allem auf der Person selbst. Diese Haltung prägt das gesamte Schulleben. Unser Einsatz vor Ort Im Rahmen eines zweiwöchigen Praktikums durften wir aktiv am Schulalltag teilnehmen. Wir haben vor allem im Englischunterricht eigene Stunden gestaltet und die Kolleginnen und Kollegen im Unterricht unterstützt. Darüber hinaus haben wir im Sportunterricht die Trendsportart » Roundnet« aus Deutschland eingeführt – zwei Sets wurden als Gastgeschenk mitgebracht – und verschiedene Pausenaktivitäten organisiert. Ein wichtiger Bestandteil war der kulturelle Austausch: Wir haben den Schülerinnen und Schülern das deutsche Schulsystem sowie typische Traditionen nähergebracht. Gleichzeitig durften wir viel über brasilianische Bräuche und Lebensweisen lernen – vor allem durch die Offenheit der jungen Menschen und der gesamten Schulgemeinschaft. Besonders prägend war auch die Begleitung von Therapiestunden für Kinder mit Beeinträchtigungen. Hier konnten wir erleben, mit wieviel Geduld, Kreativität und Herz gearbeitet wird. Gespräche mit dem Schulleiter Zacarias Nunes Lopes ofm und den Koordinatorinnen verschiedener Jahrgänge gaben uns zudem tiefe Einblicke in das brasilianische Bildungssystem. Tolle Partnerschaft Diese Partnerschaft trägt zentrale Werte und wird gleichzeitig von diesen selbst getragen. Sie spielen auch im christlichen Verständnis eine große Rolle: Nächstenliebe, Respekt, Solidarität und die Würde jedes einzelnen Menschen. Die Partnerschaft zeigt, wie Bildung über reine Wissensvermittlung hinausgehen kann – hin zu echter Begegnung und gegenseitigem Lernen. Gerade für junge Lehrkräfte aus Deutschland ist ein solcher Austausch von unschätzbarem Wert. Er erweitert den Blick auf Schule und Unterricht, hinterfragt eigene Selbstverständlichkeiten und eröffnet neue pädagogische Perspektiven. Man lernt, Bildung stärker vom Menschen her zu denken und nicht nur vom System. Auch pädagogisch ist die Partnerschaft äußerst wertvoll, denn sie fördert interkulturelle Kompetenz und Empathie. Sie ermöglicht zudem neue didaktische Impulse und Perspektiven auf Inklusion. Sie stärkt die Fähigkeit, flexibel und lösungsorientiert auf unterschiedliche Lernvoraussetzungen zu reagieren. Und vor allem macht sie deutlich, wie wichtig Beziehung und Vertrauen für gelingendes Lernen sind. Fazit: Was bleibt Wir nehmen aus dieser Zeit vor allem eines mit: Schule kann ein Ort sein, an dem sich Menschen wirklich gesehen fühlen. Die Offenheit, Herzlichkeit und Gelassenheit, die wir in São Luís erlebt haben, werden uns nachhaltig prägen – persönlich wie beruflich. Die Partnerschaft mit der FreiAlberto-Schule zeigt, wie wertvoll internationale Begegnungen sind. Sie schafft Verständnis, baut Brücken und stärkt gemeinsame Werte. Gerade in einer zunehmend globalisierten Welt sind solche Verbindungen wichtiger denn je. Deshalb ist es entscheidend, diese Partnerschaft weiter zu pflegen und auszubauen – damit auch zukünftige Generationen von Lehrkräften und Schülerinnen und Schüler voneinander lernen können. Der Autor und die Autorinnen Paul Hegmann, Anna Kurwinkel, Michelle Wortmann sind derzeit im Referendariat in der Hildegardisschule Münster. TEXT UND FOTOS: Paul Hegmann, Anna Kurwinkel, Michelle Wortmann Begegnung, die verbindet Partnerschaft mit der Frei-Alberto-Schule in São Luís 32

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