Franziskaner Mission 2 | 2026

Ihren Dokumenten fügten sie Berichte anderer franziskanischer Ordensbrüder und -schwestern aus verschiedenen Ländern hinzu. Denn dort wurden ebenfalls aufgrund extremer Wetterereignisse Menschen aus ihrem Land vertrieben. Und auch die drohende Gefahr eines ansteigenden Meeresspiegels im Pazifik bedroht die Existenz ganzer Nationen. All diese Einzelfälle deuten auf eine größere Realität hin: Weltweit treibt der Klimawandel Menschen aus ihren Häusern. Ebenso wie Madagaskar Schwierigkeiten hat, auf eine innenpolitische Krise zu reagieren, gibt es auch keine klare Antwort darauf, was die internationale Gemeinschaft tun muss. Während das Völkerrecht das Recht der Menschen schützt, ihr Land zu verlassen und zurückzukehren, gibt es kein Recht auf Migration. Kurz gesagt, unter den meisten Umständen kann ein Land nicht gezwungen werden, Menschen aufzunehmen. Eine Ausnahme ist die Genfer Flüchtlingskonvention, die 1954 in Kraft trat und eine Reihe von Kriterien festlegt, die zu Schutz und Asyl berechtigen. Mit Blick auf die Schrecken des Zweiten Weltkriegs entworfen, greift der Schutz, wenn Menschenrechte aufgrund von Rasse, Religion und Nationalität verletzt werden. Wenig überraschend steht der Klimawandel nicht als Grund auf dieser Liste. Mit ihren Erfahrungen, die die praktischen Grenzen der vorhandenen Kriterien der Flüchtlingskonvention in einer sich verändernden Welt aufzeiUnter schwierigen Bedingungen sind viele Menschen in Madagaskar auf die Unterstützung von Hilfsorganisationen wie Franciscans International angewiesen. Der Autor Thomas Kleinveld ist seit 2018 Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei »Franciscans International«. Zuvor arbeitete er im Notfallschutz für Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger und für Bürgerinitiativen in Uganda sowie als freiberuflicher Journalist für Medien in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA. Übersetzung aus dem Englischen: Heinrich Gockel ofm gen, und mit ihrer tiefen Verbundenheit mit betroffenen Gemeinden können die Franziskaner oft einzigartige Einblicke für zukünftige Themen liefern und diese internationalen Entscheidungsträgern näherbringen. Keine Zurückweisung Eines der Themen, die die Franziskaner während der jährlichen UNKlimakonferenzen ansprechen, ist das Thema »wirtschaftliche Verluste und Schäden«. Oft konzentrieren sich politische Maßnahmen zur Reaktion auf den Klimawandel auf Dinge, die einen monetären Wert darstellen – auch wenn es um Migration geht. Aber wenn die Ufer weggespült werden oder das Land austrocknet, verlieren die Menschen mehr als nur den Wert ihrer Häuser – sie verlieren ihre Kirchen, die Orte, an denen sie ihre Vorfahren begraben haben. Im Laufe der Zeit könnten sie auch ihr jeweils einzigartiges kulturelles Erbe oder ihre traditionelle Sprache verlieren. Wie können Menschen dafür angemessen entschädigt werden? Obwohl das UN-System langsam arbeitet, wächst die Anerkennung dieser neuen Realität. Der UNAusschuss, der den »Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte« überwacht, hat in einem Vertrag, der von 173 Länder unterzeichnet wurde, den Schutz vor Zurückweisung festgelegt. Das ist ein Grundpfeiler des Völkerrechts: Menschen dürfen nicht zur Rückkehr gezwungen werden, wenn ihr Leben in Gefahr ist – auch bei Gefahren, die vom Klimawandel verursacht werden. Im Jahr 2023 wurde ein Entschädigungsfonds für nicht-wirtschaftliche Verluste und Schäden eingerichtet – obwohl noch unklar ist, wie die Auszahlungen umgesetzt werden sollen. Zeugnisse der Franziskaner über die Realität dieser Themen an der Basis prägen weiterhin solche Rechtsfragen. Im Fall Madagaskar verpflichtete sich die Regierung, mehrere der vom franziskanischen Dritten Orden ausgesprochenen Empfehlungen umzusetzen. Doch kurz darauf, im Oktober 2025, stürzten von der Generation Z (sogenannte »Zoomer«, zwischen 1997 und 2012 Geborene, die durch ständige Vernetzung und Digitalisierung geprägt sind) angeführte Proteste den amtierenden Präsidenten Andry Rajoelina. Es ist unklar, ob die neue Übergangs-Militärregierung diesen Versprechen nachgehen wird. Fetra Soloniaina OFS und die Brüder und Schwestern der Franziskanischen Familie sind dabei, weitere Erkundungen durchzuführen, und drängen die Behörden, basierend auf den Ergebnissen, ihr Wort zu halten. »Madagaskar leidet unter der vollen Wucht der Klimakrise und ihrer Folgen, aber wir müssen auch anerkennen, dass wir als Bürger teilweise für diese Krise verantwortlich sind«, sagt Fetra. »Die Zukunft des Landes liegt in den Händen seiner Bürger.« 31

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