Franziskaner Mission 3 | 2026

Hoffnung für Körper und Seele 20 Jahre Psychologiezentrum in Campo Grande, Brasilien Ausgehend von einem ganzheitlichen Gesundheitsverständnis und einer umfassenden Sicht auf den Menschen wurde unser Zentrum nicht nur als Ort der psychologischen Betreuung konzipiert. Es ist gleichzeitig unterstützender Partner des öffentlichen Gesundheitswesens bei der Versorgung der Bevölkerung. Unter der Leitung der Ordensbrüder der Franziskanerkustodie von den Sieben Freuden Mariens unternahm eine Gruppe ehrenamtlich tätiger Psychologinnen und Psychologen vor 20 Jahren die ersten Schritte dieses Projekts. Es hat sich zu einem Leuchtturm der Hoffnung und der Aufnahme für die Schwächsten – die »Geringsten« unserer heutigen Gesellschaft – entwickelt. Was als kleines ehrenamtliches Engagement begann, entwickelte sich rasch zu einem anerkannten Kompetenz- und Ausbildungszentrum. Bereits im zweiten Jahr seines Bestehens ging unser Zentrum 2006 eine enge Partnerschaft mit dem Studiengang Psychologie der Katholischen Universität Dom Bosco (UCDB, Universidade Católica Dom Bosco) ein und wurde Praktikumsstelle für Studierende. Diese bis heute bestehende Zusammenarbeit öffnete später auch Studierenden anderer Hochschulen die Türen, um klinische Praxis mit sozialem Engagement zu verbinden. Teil der Menschenwürde Die wissenschaftliche Bedeutung unseres Psychologiezentrums reicht weit über die Grenzen des GesundheitszenWenn man an den heiligen Franz von Assisi denkt, sieht man unweigerlich seine revolutionäre Geste, den Leprakranken seiner Zeit entgegenzugehen und sie zu umarmen, vor sich. Das waren jene Menschen, die von der Gesellschaft beharrlich an den Rand gedrängt und unsichtbar gemacht wurden. Inspiriert von dieser evangelischen Kühnheit und dem Wunsch, den »sozialen und existenziellen Rändern« mit Freude zu begegnen, entstand im Jahr 2005 unser Psychologiezentrum. Es gehört zum Gesundheitszentrum São Francisco, das von Frei Hermano Hartmann in Campo Grande, im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul, gegründet wurde. TEXT: Wanderley Gomes de Figueiredo ofm; Aluísio Alves Pereira Júnior ofm | FOTOS: Frank Hartmann ofm trums São Francisco hinaus. Seine Arbeit wurde Gegenstand akademischer Studien und Masterarbeiten an der UCDB sowie an der Bundesuniversität von Mato Grosso do Sul (UFMS, Universidade Federal do Mato Grosso do Sul). Die enge Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und praktischer Arbeit trägt wesentlich zur kontinuierlichen Verbesserung der Versorgungsqualität der Bevölkerung und zur Weiterentwicklung des Wissens rund um die psychische Gesundheit bei. Seit mehr als 20 Jahren ist unser Zentrum ein sicherer Hafen für Menschen, die besonderen Schutz und Unterstützung benötigen. Zu den wichtigsten Schwerpunkten der Arbeit gehören diese: Frauen, Kinder und Jugendliche, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, erhalten hier einen geschützten Ort, an dem ihnen zugehört wird und sie neue Perspektiven für ihr Leben entwickeln können. Vorrangig erhalten bei uns Menschen, die an Lepra erkrankt sind, würdevolle Begleitung, um die körperlichen, sozialen und psychischen Folgen der Erkrankung zu bewältigen. Und ältere Menschen erhalten hier Förderung zu einem aktiven, würdevollen und selbstbestimmten Alt-Werden. Der Einfluss unseres Zentrums auf die Stadt Campo Grande ist kaum zu überschätzen. Es trägt nicht nur unmittelbar zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention bei, sondern leistet auch einen wichtigen kulturellen Beitrag: Es hat dafür gesorgt, dass Vorurteile gegenüber psychisch kranken Menschen abgebaut werden. In einer Gesellschaft, in der Menschen, die psychologische Hilfe benötigen, lange Zeit fälschlicherweise als »Wahnsinnige« wahrgenommen wurden, zeigt die einfühlsame und professionelle Arbeit der Fachkräfte, dass psychische Gesundheit ein grundlegendes Recht und ein wesentlicher Bestandteil der Menschenwürde ist. Wertvolle Erfahrungen Auch für die bei uns tätigen Fachkräfte und Studierenden ist das Zentrum von großer Bedeutung. Durch die Verbindung wissenschaftlicher Methoden mit einer humanistischen und christlich-franziskanischen Grundhaltung werden junge Psychologinnen und Psychologen auf ihren Beruf vorbereitet und zugleich für ihre soziale Verantwortung sensibilisiert. Ein Projekt dieser Größenordnung lässt sich nicht ohne die Unterstützung vieler Menschen aufrechterhalten. Dass diese unentgeltliche und kontinuierliche Arbeit seit mehr als 20 Jahren das Leben so vieler Bedürftiger verändert, ist einer echten Solidaritätsgemeinschaft zu verdanken. Unser Psychologiezentrum dankt der örtlichen Gemeinschaft und insbesondere den Wohltätern sowie den deutschen Mitbrüdern von Herzen. Durch ihre Großzügigkeit und ihre langjährige Unterstützung haben sie wesentlich dazu beigetragen, dass die franziskanische Sorge um die Menschen im Herzen von Mato Grosso du Sul weniger wird und das Engagement Früchte trägt. 32 | 33

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