3/2025 37 es erst im Jahrhundert Jesu gegründet. Die Stadt wuchs von Norden nach Süden, um 300 n. Chr. erreichte sie ihre größte Ausdehnung. Die stattlichen Überreste des Stadtzentrums und seiner Synagoge – alle aus dem schwarzen Basalt der Gegend – stammen aus dieser Zeit. Nach dem Kirchenhistoriker Eusebius von Cäsarea (4. Jahrhundert n. Chr.) sei die Stadt zu seiner Zeit in Ruinen gelegen, worin er das Gericht Jesu erfüllt sah. Die Archäologie konnte seine Beschreibung nicht bestätigen. Im 8. Jahrhundert wurden die Synagoge und offenbar auch das ganze Dorf aufgegeben. Nach der Kreuzfahrerzeit siedelten sich hier einige Beduinenfamilien an, der Ortsname wurde so in der arabischen Form Chirbet („Ruine“) Karraza überliefert. Das Dorf verschwand 1948, einzige Erinnerung daran ist das Grab von Scheich Ramadan, einem Gefährten von Saladin, links vom Eingang zum Nationalpark. Die Synagoge (23x17 m) hatte auf der Südseite (Richtung Jerusalem) die Fassade mit drei Portalen, die über einen monumentalen Aufgang erreicht wurden. Diese Bauform ist typisch für galiläische Synagogen, z. B. die in Kafarnaum. Aus den vorhandenen Gebäuderesten konnte der Giebel der Hauptfassade zusammengefügt werden. Im Innern der Synagoge bildeten zwölf Säulen einen Umgang mit Sitzbänken auf drei Seiten. Die am besten erhaltenen Elemente befinden sich heute in der archäologischen Abteilung (Raum 6) des Israel Museums, Jerusalem, unter anderem ein Sitz des Synagogenvorstehers (Stuhl des Mose, vgl. Mt 23,2) mit einer Segenswidmung für den Gründer der Synagoge, einen Judan, Sohn des Jischmael. Er wurde schon 1920 entdeckt, eine Nachbildung steht an Ort und Stelle, an der Südmauer der Synagoge. Es ist anzunehmen, dass sich der Schrein für die Torarolle auf der Südseite zwischen dem Haupteingang und einem der Nebenportale befand. Von ihm ist eine reich dekorierte Säule erhalten; vielleicht gehörte auch die muschelförmige Nische dazu, die man bei der Rekonstruktion in der Nordwand anbrachte. Bei den vielen dekorativen Elementen der Synagoge fällt auf, dass sie nicht nur die üblichen botanischen Motive, wie Akanthusblätter, Weintrauben und Früchte, benutzen, sondern auch Tier- und Menschendarstellungen, ja sogar mythologische Themen, wie eine Medusa, eine griechische Göttin. Solche klar heidnischen Motive sind in jüdischem Kontext schwer zu erklären. Giebel der Synagoge Stuhl des Mose (Replik) Chorazin Chorazin
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