1/2026 13 in Israel zu arbeiten. Aber ein Teil der Wirtschaft hat sich in die benachbarte Siedlung von Ma’ale Adumim mit ihren 40.000 Einwohnern ver- lagert. „Wenn wir die Tore des Heiligtums schließen, gibt es hier nichts zu tun: kein Schwimmbad, kein Park, kein Kino, keine Bar, wo man ein Bier trinken könnte. Wir sind von allem abgeschnitten, was das Leben hier sehr karg macht“, erklärt Bruder Eléazar und fügt mit einem Lachen hinzu: „Daher haben die Verantwortlichen der Kustodie Bruder Michaël und mich vergessen, obwohl wir seit 18 Jahren hier sind!“ Bruder Michaël Sarquah kommt ursprünglich aus Ghana. Er lacht viel und sein Lachen ist ansteckend. „Wir beten das Brevier und feiern die Messe gemeinsam, die meiste Zeit zumindest.“ Wenn kein Corona oder kein Krieg ist, reichen zwei Franziskaner kaum für das Heiligtum, das zu den von den Pilgern meistfrequentierten zählt. Im letzten „normalen“ Jahr, d. h. 2019, hatten sich 1966 Gruppen beim Pilgerbüro des Christian Information Center registrieren lassen, um mit 79.487 Pilgern eine hl. Messe zu feiern. Dies entsprach im Durchschnitt fünf Messen am Tag, für die die Brüder die Sakristei der Kirche und die beiden benachbarten Kapellen vorzubereiten hatten. Es gab auch noch die Gruppen, die unangemeldet kamen, die einen, um das Heiligtum zu besichtigen, die anderen, um in unmittelbarer Nähe das Grab des Lazarus zu sehen. Zeichen setzen In Wirklichkeit ist das Leben im Heiligtum schwieriger, als es allgemein erscheint. „Eines Tages hatten wir fast 500 Pilger auf einmal bei uns. Drei oder vier Gruppen haben wir zusammen in die Kirche geschickt. Sie kamen aus verschiedenen Ländern und hatten nicht denselben Ritus. Unter ihnen gab es eine ukrainische, griechischkatholische Gruppe. Die anderen führten wir in die Kapellen, eine in den Garten, wo wir einen Tisch hinstellten. Im Hinblick auf die Liturgie war das etwas grenzwertig, aber alle waren sehr zufrieden.“ Zufriedene Pilger, das ist für beide Brüder das Ideal franziskanischen Lebens. Offiziell öffnet das Heiligtum um 8 Uhr. Im Winter schließt es um 17, im Sommer um 18 Uhr. Aber wenn eine Gruppe sie darum bittet, wird schon um 7 Uhr morgens geöffnet und manchmal werden die Tore erst um 21 Uhr geschlossen. „Es kann sein, dass eine Gruppe im Stau stecken geblieben ist“, kommentiert Br. Eléazar diese Flexibilität nüchtern. Manchmal bringt sie ein geselliger Moment bei einem Stück Kuchen oder einem Gläschen Wein zusammen. Wird den Franziskanern etwas geschenkt, teilt es Br. Eléazar gern mit anderen. „Ein Pilger wird sich eher an einen Moment wie diesen erinnern als an alle Ausführungen über die Geschichte des Ortes oder an Predigten über die Rolle von Maria oder die Auferweckung des Lazarus.“ „Ich persönlich verdanke dem Heiligtum sehr viel. Ich stamme aus Polen, wir mögen die Tradition, die Ordnung, die Regeln. Außerdem komBruder Michael © Neva Gasparo/CTS Betanien Betanien
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