20 1/2026 künftigen Heimat erreicht und überschritten. Es hat sich an einem Ort gesammelt, der einen interessanten bildhaften Namen trägt: „Gilgal“. Das heißt im Hebräischen „wälzen“, und der Verfasser unseres Textes macht daraus eine Art Reinigungsprogramm. Er schildert in den Sätzen, die unserer Lesung vorausgehen, wie an allen jüdischen Männern endlich wieder die Beschneidung durchgeführt wird. Und dann lässt er Gott sprechen: Heute habe ich die ägyptische Schande von euch „abgewälzt“. Die Schande der kultischen Unreinheit (in der die Unbeschnittenen lebten), das Sklavenjoch der Ägypter, die Gottesferne und die Revolution gegen die Freiheit: das alles ist jetzt Vergangenheit. Israel, das oft einer Schar störrischer Kinder glich, ist im Begriff erwachsen zu werden und in eine neue Phase seiner Geschichte einzutreten. – „Erwachsen werden“ – d.h. aber: auf eigenen Füßen stehen, sein Leben selbst in die Hand nehmen. Zunächst erinnert man sich in einer großen gemeinsamen Paschafeier dankbar an alles, was man an Fürsorge und Schutz von Gott erfahren hat. – Gott hat die Ägypter gezüchtigt, indem er ihre Erstgeburt getötet hat. An den Häusern der Israeliten aber, die mit dem Blut eines Lammes markiert waren, ist der strafende Engel Gottes vorbeigegangen. – Die Israeliten mussten dann einen langen Weg zurücklegen, bis sie durch die Bindung an die „Zehn Gebote“ zum Bundesvolk Gottes wurden. – Dann hat Gott seine Kinder mit Manna und Wasser aus dem Felsen ernährt. Er hat Israel streckenweise getragen, wie ein Vater seinen unmündigen Sohn auf den Armen trägt. Diese Zeit ist jetzt vorbei. Die Israeliten essen zum ersten Mal von den Erträgen des Landes. Was sie ernten und verzehren, haben wohl andere gesät (die Israeliten sind erst vor kurzem in das Kulturland Kanaan eingedrungen). Die Ernte-Arbeit der jüdischen Nomaden verrät großen Eifer, aber sie ist wohl noch anfängerhaft. Trotzdem kann man sagen: Das Wenige, das die jüdischen Männer einbringen, ist zu einem guten Teil ihr Werk. – Deshalb kann Gott ab heute den Manna-Regen einstellen. Die Fruchtbarkeit des Landes wird in Zukunft an die Stelle des Brotes vom Himmel treten. „Feier des Neubeginns“ haben wir diesen Abschnitt überschrieben. Er hat etwas mit dem „Zauber des Anfangs“ zu tun, von dem Hermann Hesse in seinem bekannten Gedicht „Stufen“ sagt: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – der uns beschützt und der uns hilft zu leben. – Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten – an keinem wie an einer Heimat hängen. – Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, – er will uns Stuf um Stufe heben, weiten...“ Der Weg Israels, in dem wir unseren eigenen Glaubensweg vorgezeichnet finden, führt aus den Niederungen in die Höhe, aus der Enge in die Weite. Und der Gott, der uns auf diesem Weg begleitet, stellt auch mit dem Blick auf uns fest: „Heute habe ich IM LAND DES HERRN Mose und Aaron, in der Mitte die Gesetzestafeln, Portal der Kirche des Complesso monumentale dei Girolamini, Neapel
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