24 1/2026 IM LAND DES HERRN Indem wir das zur Kenntnis nehmen, wird uns bewusst, dass es zu allen Zeiten eine Kluft gegeben hat zwischen Ideal und Wirklichkeit. Der Mensch braucht ideale Szenen, wie sie unser Text bietet. Sie beschwingen ihn und spornen ihn an. Aber bei dem Versuch, seine Ideale zu verwirklichen, bleibt er oft weit hinter ihnen zurück. Denn der Blick auf den „wahren Gott“ und der Geschmack an ihm können von hundert Götzen getrübt und verdorben werden. Deshalb muss der Vorsatz des Josua: „Ich und mein Haus: wir wollen dem wahren Gott dienen!“ sehr oft (manchmal täglich!) erneuert werden. Abschließende Beurteilung Die Erzählungen des Josua-Buches sind ähnlich wie der „Landtag von Sichem“ von einem späteren Redaktor (der vielleicht im 6. Jh. v. Chr., nämlich um die Zeit des Babylonischen Exils wirkte) zusammengefasst und systematisiert worden. Historisch gesehen war die Landnahme in Kanaan durch die jüdischen Einwanderer kein einziger planmäßiger Vorgang, der unter der Leitung eines einzigen Mannes stand und an dem alle Stämme Israels beteiligt waren. Dieser Vorgang zog sich vielmehr längere Zeit hin und wurde von mehreren Führergestalten geleitet. Manche Stämme, die sich bei der Eroberung Kanaans beteiligten, waren schon längere Zeit im Land ansässig, andere waren aus südlichen und östlichen Steppen- und Wüstengebieten eingewandert und hatten (teils auf friedlichem, teils auf kriegerischem Weg) das Land an sich gebracht. Erst später, als man die verwickelten geschichtlichen Prozesse nicht mehr kannte, hat man daraus eine einheitliche „jüdische Eroberung Kanaans“ gemacht, an der alle zwölf Stämme Israels beteiligt waren. – Auf dem Hintergrund solcher Erkenntnisse müssen wir sagen: Die Rolle Josuas, wie sie uns die Bibel vor Augen stellt, ist eine spätere Konstruktion. Gewiss hat der geschichtliche Josua zu Lebzeiten eine bedeutende Funktion gehabt. Er war ein überragender Kriegsmann, dem man ohne weiteres zutraute, dass er alle jüdischen Stämme führen und zu riskanten Eroberungskämpfen motivieren konnte. Ähnlich wie sein Meister Mose hat auch Josua im Lauf der Geschichte viele Heldenüberlieferungen an sich gezogen (denken wir an das Sonnenwunder von Gibeon). Auch die berühmte Eroberung von Jericho ist eine spätere „HeldenLegende“. Denn zur Zeit der „Landnahme“, d. h. um 1200 v. Chr., war Jericho schon längst ein Trümmerhaufen. Jüdische Geschichtsschreiber und Theologen, die mit den realen Verhältnissen nicht mehr vertraut waren, haben dann gemeint, die „Israeliten unter Josua“ hätten diese einst so starke Stadt erobert und zerstört. So wollen wir abschließend noch einmal betonen: Die Erzählungen des Buches Josua sind keine historischen Berichte. Wir verstehen sie am besten, wenn wir sie als „Theologie in erzählender Form“ lesen. Die Richterzeit Die so genannte Richterzeit (ca. 1200 – 1020 v. Chr.), die mit Josua eröffnet wurde, hat ihren Namen von einzelnen charismatischen Führern, die in Notzeiten von Gott direkt berufen wurden, um ihre Brüder aus der Gewalt mächtiger Nachbarvölker zu befreien. Zu den Leitungsaufgaben Heimkehr der Kundschafter mit der Riesentraube, Domkreuzgang Brixen
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