26 2/2026 Johannesfriedhof. Für sieben große Reliefs wurde kein Geringerer als der Nürnberger Adam Kraft gewonnen, der die Stationen wohl spätestens in den Jahren 1506–1508 schuf – wenn manche Reliefs auch älter sein dürften. Aufgestellt wurden diese eindrücklichen Passionsszenen nach den Entfernungen des Jerusalemer Kreuzweges. Das war um 1500 keineswegs unüblich, wenn auch die genauen „Themen“ des Passionsgeschehens unterschiedlich waren. Dass es dabei sieben Stationen waren, kam dem römischen Brauch der „Sieben-Kirchen-Wallfahrt“ entgegen: Im Franziskanerkloster Brixen gibt es Gemälde, die diese sieben Kirchen in Verbindung zu sieben Momenten der Passion Jesu setzen, ähnliches gibt es im Kloster der Franziskanerinnen in Kaufbeuren. Gerade in den Jahren vor 1500 gab es einige Nürnberger Bürger, die ins Heilige Land pilgerten und auch einigermaßen genaue Informationen, teilweise auch Karten, mitbrachten. In Nürnberg am meisten bekannt ist Hans Tucher der Ältere, der eine genaue Beschreibung der Stadt Jerusalem lieferte. Aber auch Martin Ketzel, der wohl im Jahre 1476 ins Heilige Land pilgerte und darüber ausführlich berichtete („Ritterfahrt über mer gen Jerusalem und zu dem hayligen grab“), war den Nürnbergern bekannt; früher war jedem Schulkind die Erzählung geläufig, nach der Martin Ketzel in Jerusalem die Via Dolorosa in Schritten ausgemessen hätte, diese Angaben aber bei seiner Rückreise verloren hätte und darum ein zweites Mal ins Heilige Land gepilgert ist. Was an dieser Legende der Wahrheit entspricht, sei dahingestellt. Ein Grabstein der Familie Ketzel ist erhalten an der Außenmauer der Sebalduskirche, gut sichtbar das Jerusalem-Kreuz als Bezug zu den Pilgerfahrten der Familie in das Heilige Land. IM LAND DES HERRN Station des Kreuzweges in der Friedhofsmauer Grabstein Ketzel, in der linken Mitte das Jerusalem-Kreuz
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