Im Land des Herrn | 80. Jahrgang | 2026-2

28 2/2026 Jerusalem… (– de la Riestra). Der schöne Rundbau am nordöstlichen Eingang des Friedhofes ist ein Rundbau von 6,50 Meter Durchmesser, ergänzt im Osten durch eine Apsis für den Altar, auf der Südseite ist ein viereckiger Anbau für die Grablegungsszene angefügt. Das Grab Christi war jedoch nie ein Rundbau: Die älteste bekannte Darstellung der Grabkapelle, die „Reidersche Tafel“ im Bayerischen Nationalmuseum München, lässt uns das Grab als würfelförmigen Kubus mit einem laternenartigen Zylinder sehen. Auch andere frühe Darstellungen (Narbonne, Miniaturmodell vor dem 10. Jahrhundert) oder die Pilgerflaschen von Monza und Bobbio zeigen die Grabkapelle immer als Zentralbau (inmitten der Rotunde), aber nicht gänzlich rund. Diese Rundbauten kennt man aus der Funeral-(Begräbnis-)Architektur, denken wir an die Engelsburg in Rom oder die vielen späteren Beispiele von „Beinhäusern“ („Karner“) besonders im österreichischen Raum: DeutschAltenburg oder Waitschach, Hartberg, Stift Lambrecht. Sicher hat die runde Form der Rotunde der Grabeskirche auch einen gewissen Einfluss auf die Form der Grabkapelle gehabt. Der Bau der Kapelle erfolgte zwischen 1506 und 1508 durch den Stadtbaumeister Hans Behaim d. Ä. Ursprünglich hatte die Kapelle nicht nur den heutigen westlichen Eingang, es gab auch eine Tür von Norden her, so dass Gläubige, direkt vom Kreuzweg kommend, in die Kapelle eintreten konnten und somit unweigerlich von der Grablegung von Adam Kraft in den Bann gezogen wurden. Verlassen konnte man die Kapelle dann durch die (heutige) westliche Tür. Wenn es auch keine Tür mehr in der Nordwand gibt: ein kleines Fenster gibt den Blick auf die Grablegung frei. Die Holzschuherkapelle ist leider nur für Führungen und an speziellen Tagen geöffnet, aber man kann immerhin durch das Fenster zu jeder Zeit einen Blick in die Kapelle werfen. War die Kapelle in der Anfangszeit eng verbunden mit dem „Siechkobel“ und diente vor allem als eventuelle Pestkapelle, so entwickelte sie sich am Anfang des 16. Jahrhunderts zu einer BegräbnisIM LAND DES HERRN Blick in die Kapelle zur Grablegungsnische © Theo Noll

RkJQdWJsaXNoZXIy NDQ1NDk=