2/2026 29 kapelle für die einflussreichen Familien Imhoff und Holzschuher. Die Rivalität der beiden Familien hatte auch einen positiven Effekt: Die Kapelle wurde von beiden Seiten gut ausgestattet. So zeigt sie sich dem Betrachter heute als vornehmer spätgotischer Raum, edel wirken die hängenden Schlusssteine mit Luftrippen. Der von einem unbekannten Künstler geschaffene Flügelaltar füllt die östliche Apsis aus, Epitaphien, Wappenschilde und gotische Figuren prägen den Raum. Das große Relief der Grablegung wurde von Adam Kraft und Mitarbeitern in den Jahren 1506 bis 1508 geschaffen. Von Kraft selbst ist die Christusfigur sowie die Figur der Maria Magdalena am rechten Rand – auf unserem Foto im Licht der Morgensonne. Die anderen Figuren folgen einem verbreiteten Typus: der Grabtrog mit Christus, gehalten von Nikodemus (Oberkörper) und Josef von Arimathäa. Maria neigt sich ihrem Sohn zu, und im Hintergrund erscheint Simon von Kyrene, er hält drei Kreuzesnägel in seinen Händen. Drei schlafende Soldaten sitzen am Fuße des Grabes. Diese Grablegung ist eingefügt in ein gemaltes „Passions-Panorama“ der Stadt Jerusalem: Letztes Abendmahl, Jesus am Ölberg, Gefangennahme, Einzug in die Stadt auf einem Esel und viele kleinere Szenen bilden einen lebendigen Hintergrund. Heute liegt der Kreuzweg mitten in der Stadt und bildet mit dem „Kalvarienberg“ und dem Heiligen Grab auf dem Johannisfriedhof eine spätmittelalterliche Anlage, die Passion und Sterben des Erlösers ins Bild setzt. Benutzte Literatur Adam Kraft Der Kreuzweg, Ausstellungskatalog Germanisches Nationalmuseum, herausgegeben von Frank Matthias Kammel, Nürnberg 2018 Die Holzschuherkapelle Nürnberg, Helge Weingärtner und Pablo de la Riestra, Kunstverlag Josef Fink, 2022 Karl-Heinz Enderle: Der Adam-KraftKreuzweg und das wahre Pilatushaus. In: Nürnberger Altstadtberichte 51/2025 Gustaf Dalman, Das Grab Christi in Deutschland, Leipzig 1922 Grablegung von oben gesehen © Theo Noll Holzschuherkapelle Holzschuherkapelle
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