Im Land des Herrn | 80. Jahrgang | 2026-2

38 2/2026 IM LAND DES HERRN Jürgen Krüger Der Abendmahlssaal auf dem Zionsberg in Jerusalem Lindenberg i. Allgäu 2026. 80 Seiten mit zahlreichen, auch farbigen Abbildungen und Graphiken ISBN 978-3-95976-583-1 So faszinierend in Bezug auf ihre Historie, ihre biblischen Bezüge und ihre Archäologie die Heiligen Stätten in Israel und Palästina sind, so verwirrend sind sie für den Pilger, selbst wenn er sie schon mehrfach besuchen konnte. Das gilt in besonderer Weise für den Zionsberg außerhalb der heutigen Altstadtmauer von Jerusalem. Kernstück ist hier der sogenannte Abendmahlssaal. Vom byzantinischen Ursprung über die Kreuzfahrer¬ periode bis zur osmanischen Zeit gilt es die wechselvolle Geschichte dieses Ortes und seine entsprechenden Bauphasen mit ihren Relikten verständlich zu machen. Hinzu kommt die schwierige Situation, die in den letzten Jahrzehnten von der Vereinnahmung durch jüdisch-orthodoxe Bibelschulen zunehmend geprägt wird. Graffiti-Schmierereien an den christlichen Gebäuden auf dem Zionsberg rund um den Abendmahlssaal sind immer wieder zu beklagen, nachdem der Davidsskulptur, die vor Jahren zwischen der Dormitio-Abtei der Benediktiner und dem Eingang zum Abendmahlssaal aufgestellt worden war, von ultraorthodoxen jüdischen Randalierern die Nase abgeschlagen worden war, wohl um gegen die lebensechte Darstellung zu protestieren und sie bewusst zu verunstalten. Mittlerweile ist die Figur ganz entfernt.Dem Kunsthistoriker Jürgen Krüger, der 2000 schon ein wunderbar erhellendes Buch über das Heilige Grab und die Grabeskirche in Jerusalem vorgelegt hat, ist es gelungen, die Geschichte des Abend¬ mahlssaales in Text und Bild inkl. Skizzen und alten Karten, illustriert mit zahlreichen Fotos, verständlich zu entfalten. Freilich ist dieses Büchlein deutlich mehr als ein Informationsblatt, das Interessierte zwischendurch mal eben durchblättern könnten. Originalzitate aus Pilgerberichten und historischen Quellen vermitteln mit jüdischen, christlichen und muslimischen Bezügen ein intensives und lebendiges Bild von Glauben und Politik auf dem Zionsberg. Krüger schöpft aus dem reichen Fundus seines Wissens über Kunst und Architektur europaweit und bietet Vergleiche zum hier im Zentrum Stehenden an, die die Leser wahrlich überraschen können. Die Bilder stammen u. a. vom Autor selbst, aber auch von Fran¬ ziskanern, z. B. P. Igor Hollmann und P. Jakobus Maria Raschko (seit Jah¬ ren Mitglied des Konvents in der Grabeskirche), und von Br. Petrus Schüler, dem Kommissar des Heiligen Landes in München und Redakteur dieser Zeitschrift IM LAND DES HERRN. P. Robert Jauch OFM

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