Im Land des Herrn | 80. Jahrgang | 2026-3

10 3/2026 IM LAND DES HERRN wurde. – In die Samuel-Überlieferung ist nun eine Erzählung über die Bundeslade eingeschoben, in der Samuel keine Rolle spielt, die aber genau das berichtet, was uns hier interessiert: der Untergang des Hauses Eli. – Als die Israeliten in einem Krieg gegen die Philister die Bundeslade als „Schutz-Heiligtum“ mit in die Schlacht nahmen, erlitten sie wider Erwarten eine Niederlage. Die Lade wurde von den Feinden erbeutet und die Priester-Söhne Hofni und Pinhas fanden den Tod. Als man dem alten Eli diese Schreckensnachricht überbrachte, fiel er rückwärts vom Stuhl und brach sich das Genick. – Da die Philister wegen des Raubes der Lade mit allerlei Plagen gestraft wurden, gaben sie das unheimliche Heiligtum mit reichen Votivgaben wieder an die Israeliten zurück. Diese stellten es an einem Ort namens Kirjat-Jearim auf (weil das alte Heiligtum von Schilo offenbar nicht mehr bestand). Der Wander-Richter Samuel übte das Richteramt aus, indem er an verschiedenen Orten auftrat und anstehende Fälle löste. Er war in Israel eine Respektsperson, der es oft gelang, zwischen zerstrittenen Parteien Frieden zu stiften. Wenn er eine „Dienstreise“ beendet hatte, zog er sich nach Rama in sein Haus zurück, um auch hier als Richter und Vermittler tätig zu sein. Dabei fühlte sich Samuel immer als Anwalt des göttlichen Willens, was u.a. daraus hervorgeht, dass er bevorzugt an heiligen Stätten (Wallfahrtsorten) wirkte und auch an seinem Wohnort für Jahwe einen Altar errichtete. Ein zweiter Mose Immer wieder wurde Israel von den Philistern bedrängt (nicht nur bei der eben genannten Episode von der geraubten Bundeslade), und Samuel deutete dieses Bedrängnis als Strafgericht Gottes für den Niedergang von Glauben und Sitte. Um hier etwas zu verändern, versammelte er eines Tages das Volk zu einer Bußfeier in Mizpa, brachte ein Sühnopfer dar und legte – wie es einst Mose getan hatte – kraft seines priesterlichen Amtes Fürbitte für seine sündigen Brüder und Schwestern ein. – Die Philister hatten von dieser Feier gehört und rückten mir ihren Kriegern zu einem Überfall heran. In dieser Not wurde Samuel zum „großen Beter“, der (wieder als „zweiter Mose“) den allmächtigen Gott bewegen konnte, durch ein wunderbares Eingreifen die Feinde zu demütigen. Gott ließ ein furchtbares Unwetter über die Philister hereinbrechen, so dass sie in Panik gerieten und von Israel vernichtend geschlagen werden konnten. Zur Erinnerung an diesen Sieg stellte Samuel einen Gedenkstein auf, den er „Stein der Hilfe“ nannte. Und solange Samuel lebte, wagten es die Philister nicht mehr, in das Gebiet der Juden einzufallen. Ungeratene Söhne Als Samuel alt war, musste er eine ähnlich bittere Erfahrung machen wie sein ehemaliger Lehrer und „geistlicher Vater“ Eli. Wie Eli hatte Samuel zwei Söhne, Joel und Abija, und er setzte sie an einem prominenten Heiligtum, in Beerscheba, als Hilfsrichter ein. Leider hatten die jungen Männer nicht die Frömmigkeit und Redlichkeit ihres allseits geachteten Vaters geerbt. Sie ließen sich bestechen und beugten das Recht. Und genau dieser Umstand löste eine Entwicklung aus, die den Übergang in eine neue Zeit bedeuSteinaltar mit den markanten Hörnern auf dem Tell Beersheba, Original im Israel-Museum Jerusalem

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