Im Land des Herrn | 80. Jahrgang | 2026-3

3/2026 31 Die Entstehung dieses Kultortes liegt im Dunkel der überreichen Geschichte der Heiligen Stadt. Der Schweizer Titus Tobler und der unseren Lesern ebenso gut bekannte Conrad Schick beschreiben die Kirche, Schick vermutet einen byzantinischen Vorgängerbau der Kirche, was sich aber nicht nachweisen lässt. Der Kirchenbau aus der Kreuzfahrerzeit zeigt sich, wie im Bild zu sehen, in ähnlichen Formen wie die benachbarte Kathedrale, wenn auch in viel kleineren Ausmaßen (10,8 x 8,4 m) und ist mit einem geräumigen Atrium versehen. Es ist im Grunde die heutige Pfarrkirche der armenischen-orthodoxen Gemeinde und kann wenigstens jeweils am Sonntagmorgen besucht werden. Als nach dem Völkermord an den Armeniern eine große Anzahl Flüchtlinge nach Jerusalem kamen, waren die alteingesessenen „noblen“ Armenier durchaus nicht nur begeistert und beanspruchten diese „Pfarrkirche“ für sich, den Neuangekommenen die Kathedrale zuweisend. Die „alteingesessenen“ Armenier waren allesamt eher zur Oberschicht der Altstadt gehörend – die Flüchtlinge aus dem heute türkischen Gebiet kamen arm und mittellos. In den Familien der Nachkommen der „Flüchtlinge“ gibt es noch alte religiöse Bücher in armenischen Lettern, die, wenn man sie liest, türkisch sind. Wie kommt es aber zu den beiden Namen „Haus des Hannas“ und „Ölbaum-Kloster“? Hannas, nach Flavius Josephus vom Jahr 6 bis zum Jahr 15 Hoherpriester in Jerusalem, erscheint im Bericht über die Passion Christi im Johannesevangelium: Die Soldaten, der Hauptmann und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn und führten ihn zuerst zu Hannas; er war nämlich der Schwiegervater des KajaBlick in das Innere der Kirche Armenisches Viertel Armenisches Viertel

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