IM LAND DES HERRN 8 3/2026 Die Berufung Samuels Halten wir fest, was wir schon gehört haben: Die religiösen und moralischen Verhältnisse im Hause Eli waren Ärgernis erregend, und Eli selbst war zu schwach, um durchzugreifen und Ordnung zu schaffen. Dazu kommt: Was in Elis Familie geschah, war kein Einzelfall. Allenthalben hatten die religiösen Führer versagt. Die Verbindung des Volkes mit Gott war weitgehend abgebrochen. Unser Text sagt: „In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten, Visionen waren nicht häufig“ (1 Sam 3,1). – Es war nun der junge Samuel, mit dessen Hilfe Gott diesen beklagenswerten Zustand änderte, anders gesagt: Samuel wurde in jungen Jahren zu der Aufgabe berufen, Mittler zwischen Gott und seinem Volk Israel zu sein. Wie diese Berufung geschah, dürfte den meisten Christen aus der Liturgie bekannt sein (man erinnere sich an den 2. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A, 1. Lesung): Gott spricht den jungen Mann mitten in der Nacht mit seinem Namen an und Samuel springt jedes Mal gehorsam auf und läuft zu Eli, weil er meint, der alte Priester brauche seinen Dienst. Das geschieht dreimal hintereinander. Beim dritten Mal begreift Eli, dass der Junge nicht halluziniert, sondern dass es wohl Gott selber ist, der ihn anruft. So gibt er Samuel den Rat, auf die nächtliche Stimme zu antworten: „Rede, Herr, Dein Diener hört!“ Ergänzende Überlegungen Was an dieser Vision auffällt (und wert ist, bedacht zu werden), ist der Umstand, dass Samuel die Stimme Gottes von der seines menschlichen Herrn und Meisters zunächst nicht unterscheiden kann. Erst als Eli ihn anleitet, die Sphäre der Alltagswelt zu übersteigen, wird Samuel fähig, das „Wort des Herrn“ zu vernehmen. – Es sei uns gestattet, diesen Vorgang zu verallgemeinern und aus ihm so etwas wie eine zeitlos gültige Regel abzuleiten. Es ist bis heute für einen Frommen schwer, herauszufinden, was Gott von ihm erwartet, welche Weisungen er ihm Blick vom Grabungshügel Schilo zur Siedlung Eli, im Tal schlängelt sich die Straße Nr. 60 von Jerusalem hinauf nach Nablus
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